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Die Welt der Berliner Start-ups

Gründer wollen nicht mehr das neue Facebook erfinden

26. November 2016 · Keine Kommentare · Allgemein
  • Europäischer Start-up-Monitor vorgestellt
  • Frauenquote unter 15 Prozent
  • Nachhaltige Unternehmensentwicklung angestrebt

Immer weniger Start-ups in Europa und offenbar auch in Berlin träumen davon, das nächste Facebook oder Instagram zu erfinden. Sie überlassen das Feld der Massenplattformen den US-amerikanischen Erfindern. Die sind da erfolgreicher.

Dieser Trend geht aus dem in der vergangenen Woche präsentierten Europäischen Start-up-Monitor hervor. Danach sagen nur noch 4,6 Prozent der befragten Gründer, dass sie ausschließlich an sogenannten „B2C“-Projekten arbeiten. „B2C“ steht für „Business to Customer“. Das sind Anwendungen, die sich ausschließlich an den Privatkunden richten. Ein Jahr zuvor stand noch bei 23 Prozent der Start-ups „B2C“ im Fokus. Europas Gründer haben gelernt, dass sich solche Unternehmen nur mit gigantischem Kapitalaufwand auf den Markt bringen lassen. Und dieses Kapital fehlt außerhalb der USA.

Umgekehrt steigt bei Gründern das Interesse an geschäftlichen Anwendungen, sogenannten „B2B“-Projekten. Diese Abkürzung steht für „Business to business“, als von „Geschäft zu Geschäft“. Im vergangenen Jahr nannten 2,2 Prozent der befragten Start-ups diesen Fokus, jetzt sind es auf einmal 26,1 Prozent. „Drei Viertel aller Start-ups streben Kooperationen mit etablierten Playern an“, sagte Professor Tobias Kollmann, der Autor der Studie. „Dadurch entsteht ein neuer europäischer Weg.“ Er könne erfolgreicher sein als der Versuch, massentaugliche Konsumentenplattformen auf den Markt zu bringen.

Start-up-Monitor: Behutsame Internationalisierung

Behutsame Internationalisierung gehört bei den meisten Gründern zum Konzept: Mehr als die Hälfte der Start-ups machen ihren Umsatz außerhalb ihrer Heimatmärkte, wobei der Fokus auf Europa liegt. Die Umsätze auf dem Weltmarkt sind dagegen leicht gesunken. Unternehmen aus Finnland, Ungarn und Israel sind im Ländervergleich am wenigsten auf ihre Heimatmärkte angewiesen.

Internationalisieren wollen dem Monitor zufolge in den nächsten zuwölf Monaten acht von zehn Start-ups. In Deutschland sind solche Pläne relativ schwach ausgeprägt, was wohl zum einen eine Mentalitätsfrage sein mag, zum anderem der Marktgröße gesculdet ist: 59.6 Prozent der Start-ups wollen sich auf den nationalen Markt konzentrieren.

Auch was den schnellen Unternehmensverkauf (im Branchenjargon Exit) betrifft, sind die europäischen Gründer realisistisch geworden. Diese Option rangiert in den Zielen nicht mehr oben: Mehr als 80 Prozent wollen ihr Unternehmen nachhaltiger ausrichten und gaben an, sie wollen dauerhaft in ihrer Firma bleiben.

Das Gründen von Start-ups ist immer noch eine Männer-Domäne. Nur 14,8 Prozent der 2500 Befragten Start-ups wurden von Frauen gegründet. Mit einem Drittel die höchste Frauenquote hat Großbritannien. „Schlusslicht ist der deutschsprachige Raum“, sagte Kollmann.

Der Bundesverband Deutsche Startups und das European Startup Network (ESN) haben die Studie herausgegeben. Sponsoren sind die KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Mobilfunkanbieter Telefónica Deutschland (O2, Tchibo), in dessen Digtal Lounge Unter den Linden die Studie auch vorgestellt wurde.

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