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Die Welt der Berliner Start-ups

Wie Relayr vom Bastler-Baukasten zum Industriedienstleister wurde

7. November 2016 · Keine Kommentare · Allgemein
  • Rekord-Investment von 23 Millionen Dollar
  • Sensoren in der Schoko-Hülle
  • Zahlreiche Industriepartner gewonnen
Relayr

Das Team 2015 bei einer Preisverleihung auf der Tech-Messe Cebit in Hannnover

Als Jackson Bond, Harald Zapp, Michael Bommer im Jahr 2013 das Start-up Relayr gründeten und wenig später das „Wunderbar“ auf den Markt brachten, wurden sie von Hipstern der Berliner Start-up-Szene mitunter belächelt. Denn Sensoren für das Internet der Dinge sind nicht so sexy wie schillernde Smartphone-Apps. Heute hat sich das geändert. Die Hardware-Nerds sind Stars geworden, erst recht seit das Start-up sensationelle Investments von aktuell 23 Millionen Dollar erhalten hat – nach elf Millionen Dollar 2015. Die Berliner haben sich in die Weltklasse gearbeitet.

Start mit fünf Sensoren und Controller

Angefangen hat Relayr mit der „Wunderbar“. Die Module sorgten für Aufmerksamkeit in der Hardware-Szene, denn sie sehen aus wie Schokoladenriegel und lassen sich wie diese abbrechen. Unter der kakaofarbenen Hülle verbergen sich elektronische Schaltkreise mit fünf unterschiedlichen Sensoren. Sie messen die Temperatur und Feuchtigkeit, Helligkeit, Geräusche und Beschleunigung in ihrer Umgebung. Der fünfte ist mit einem Infrarot-Sensor ausgestattet und dient zur Steuerung von Heimelektronik-Geräten. Ein weiterer ermöglicht die Verbindung mit Kleincomputern wie Arduino oder Raspberry Pi. Das siebte dient zum Empfang der Sensor-Informationen per Bluetooth und zum Senden in die Internetwolke.

Mit der „Wunderbar“ und der dazu gehörenden Software können App-Entwickler Programme für das Internet der Dinge schreiben, was inzwischen nicht nur ein Betätigungsfeld für Bastler ist, sondern die wichtigste Herausforderung für die vernetzte Industrie, die heutzutage mit dem Attribut 4.0 beschrieben wird. Das Start-up erhielt dafür Preise, etwa auf der Tech-Messe Cebit.

Relayr kooperiert mit Fachhändler Conrad

Anfangs hatte es zumindest für den laienhaften Beobachter den Anschein, dass die „Wunderbar“ nur etwas für nerdige Bastler sei, die per Smartphone-App erfahren wollen, wann sie ihre Zimmerpflanzen gießen müssen. Dass die „Wunderbar“ beim Elektronik-Fachmarkt Conradhttp://gruenderzeit.morgenpost.de/2014/02/27/relayr-conrad-wird-partner-der-wunderbar/ für 118 Euro angeboten wurde, mag diesen Eindruck bestätigt haben, wenngleich das dem jungen Unternehmen einen beachtlichen Schub gab und den Gründen landesweit Aufmerksamkeit verschaffte.

Der Einstieg des Rückversicherers Munich Re als aktueller Investor in das Unternehmen ermöglicht den Gründern den Ausbau ihrer Cloud-Strategie. Kleiner Perkins Caufield & Byers, einer der prominentesten Technologie-Investoren im Silicon Valley, hatte bereits vor einem Jahr elf Millionen Dollar in das Berliner Unternehmen investiert.

Bosch und Amazon als Partner

Relayr hat eine neue Ebene für das Internet der Dinge geschaffen, die Maschinen an unterschiedlichen Orten zur Zusammenarbeit befähigt. Dadurch macht Relayr Unternehmen wettbewerbsfähiger. Die Liste der Industriepartner its inzwischen lang und enthält Namen wie Bosch, Cisco und Amazon.

Die wahre Dimension für das Internet der Dinge hat sich noch längst nicht entfaltet. Man denke an die vernetzten Lebensräume – seien es Wohnungen, der Verkehr oder gar ganze Städte, die vollgestopft mit Sensoren alle nur erdenklichen Daten liefern. Ein Vorzug von Relayr ist das die Konzeption dieser Cloud als quelloffenes Programm, das jeder Entwickler – egal wo auf der Welt er arbeitet – ausbauen und perfektionieren kann. Relayr ist der Sprung zum Industriedienstleister gelungen.

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