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Die Welt der Berliner Start-ups

Ein schillernder Auftritt im Nobelhotel

9. Oktober 2016 · Keine Kommentare · Allgemein
  • Brexit-Startups in Berlin
  • Website as a Service
  • Eine Bank ohne Lizenz
Michael Gastauer WB21

Michael Gastauer

Die Bugwelle des drohenden Brexit spült Start-ups aus London nach Berlin. Ähnlich wie beim Finanzdienstleister BrickVest (die Berliner Morgenpost berichtete) handelt es sich nicht um Komplettumzüge, sondern um die Auslagerung von Abteilungen oder um den Aufbau neuer Filialen. BrickVest-Mitgründer Thomas Schneider hatte neben den unsicheren Perspektiven an der Themse das Angebot an Talenten in Berlin als Gründe genannt.

So hatte der Webseitenentwickler MBJ für Freitagabend in den Coworkingspace WeWork (Sony-Center) zu seinem Berlin-Debüt eingeladen. Das Londoner Unternehmen versteht sich als Webseitendienstleister. Es gestaltet die Seiten nicht nur. Es kümmert sich auch um ihre Verwaltung, optimiert sie für Suchmaschinen und betreibt in sozialen Netzwerken Marketing. Die Firma mit knapp 40 Mitarbeitern richtet sich vor allem an kleinere Unternehmen. Sie nimmt den Firmen die Arbeit mit ihren Webseiten ab, so dass diese sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Die Angebote werden in Paketen ab 99 Euro pro Monat verkauft. Dieses Konzept klingt plausibel.

Pompöses Ambiente

Bei einem anderen Neuankömmling aus der FinTech-Metropole London irritiert dagegen der pompöse Aufschlag. Der Bezahldienstleister WB21, eine Kurzform für „Web Bank des 21. Jahrhunderts“, will in Berlin seine Europazentrale betreiben. Die Einladung zur Unternehmenspräsentation klingt vielversprechend: „WB21 eröffnet eine Bank in Berlin und will über 200 Arbeitsstellen schaffen“. Um das zu erläutern, hatte der Gründer Michael Gastauer einen Raum im Nobelhotel Adlon am Pariser Platz gemietet. Das ist selbst für FinTech-Start-ups, vorsichtig ausgedrückt, relativ ungewöhnlich. Auch die PR-Agentur ist nicht irgendwer aus der Welt der Start-ups, sondern die angesehene Weber Shandwick. Ihr Vertreter verteilte USB-Sticks, auf denen Gründerfotos, ein Datenblatt und zwei dürre Presseinformationen gespeichert sind. Staatssekretär Hans Reckers aus der Senatswirtschaftsverwaltung adelte das Event mit seiner Anwesenheit. Er verabschiedete sich aber schnell – Termingründe.

WB21: Bank ohne europäische Lizenz

Die WB 21 bezeichnet kostengünstige Devisenüberweisungen als ihr Geschäftsmodell, wobei Einzahlungen auch in der Krypowährung Bitcoin möglich sein sollen. Nach eigener Darstellung hat das vor zehn Monaten gegründete Unternehmen eine Million Kunden und beziffert seinen Wert auf 2,2 Milliarden Dollar. Auf Nachfrage sagte der Gründer der Berliner Morgenpost, dieser Betrag ergebe sich „aus Kennzahlen“, ohne das zu konkretisieren. Den Umsatz bezifferte er mit zehn Millionen Dollar im Monat. Gastauer räumte ein, sein Unternehmen sei weder durch die deutsche Finanzaufsicht BaFin noch durch die britische FSA lizenziert. Er verweist aber auf eine Lizenz aus Singapur. Ein Antrag bei der BaFin sei gestellt.

Umstrittener Gründer

Die Meinungen über den Gründer klaffen weit auseinander. Während „Forbes“ ihn als Star bejubelt, erhebt die „Süddeutsche Zeitung“ Zweifel an der Seriosität des Geschäftsmanns, der sich als Chef einer privaten Vermögensverwaltung (Gastauer Family Office) mit Sitz in Monaco und als Redner auf Konferenzen der Finanzwelt präsentiert. Laut SZ soll die Vorgeschichte des Gründers Lücken aufweisen, vor allem was den Verkauf eines zuvor von Gastauer gegründeten Unternehmens für angeblich 480 Millionen Dollar betrifft. Nach dem Auftritt des Unternehmers im Lichthof des Adlon bleibt ein Gefühl des Unbehagens.

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