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Die Welt der Berliner Start-ups

Innovation Lab: Wie die Deutsche Bank Zukunftsideen finden will

17. April 2016 · Keine Kommentare · Allgemein
Luc Meriochaud DB Labs

Der Investmentbanker Luc Mériochaud leitet das Innovation Lab der Deutschen Bank

Wie sieht die Bank der Zukunft aus? Der Architekt Epure Lazar Mihail aus Rumänien hatte da eine Idee: eine Art Sprachassistent für Finanzfragen auf dem Smartphone – ähnlich wie das Programm Siri auf dem iPhone, nur intelligenter. Wie wäre es, dachte sich Mihail, wenn ich mein iPhone frage, ob ich mir einen neuen Laptop leisten kann oder wie ich einen bestimmten Geldbetrag optimal anlege. Ein Programm, mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz die Daten aus dem Online-Banking und verschiedensten anderen Quellen in Relation zueinander setzt, würde die Antwort geben. „Eine solche App würde der Bank einen Zugang zu neuen Zielgruppen und den Kunden der Zukunft ermöglichen“, sagt er.

Diese App gibt es noch nicht. Auch nicht „Reboot“, einen digitalen Assistenten, der alle Konten und Depots eines Nutzers an einem Ort zusammenführt, der berufliche und private Aufgaben voneinander trennt und damit die Grundlage für eine schnelle Steuererklärung liefert. „Das würde die Zeit, die ich für meine Steuererklärung brauche, deutlich verkürzen“, sagt Andre Roszik, der diese Idee hatte und sich als „Design Thinker“ sieht – also als Anhänger jener interdisziplinären Innovationsschule, die Probleme lösen und Ideen entwickeln will, die den Horizont der Nutzer erweitern.

Crowdstorm sucht Premium-Beratung

Diese Projekte sind zwei Ergebnisse eines sogenannten Crowdstorming-Prozesses, den das Berliner Start-up Jovoto im Auftrag der Deutschen Bank veranstaltet hat. „Crowdstorming“ bedeutet Ideenfindung (Brainstorming) im Internschwarm (Crowd). Die Deutsche Bank hatte im Dezember 2015 erstmals einen Crowdstorm extern ausgelobt, bei dem es 25.000 Euro zu gewinnen gab.

Leitmotto war die Frage „Wie sollte Premium-Beratung (von Bankkunden) aussehen?“ Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern reichten bis Februar ihre Konzepte ein, die dann von einer Expertenjury begutachtet wurden. Die Gewinner dieses Crowdstorms konnten eine Woche lang an ihren Ideen weiterarbeiten – im neuen Innovation Lab des Geldkonzern in den Hackeschen Höfen, der damit zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung trat.

Weder Inkubator noch Accelerator noch Think Tank

Wie alle Konzerne sucht auch die Deutsche Bank Wege zur digitalen Transformation ihres in die Jahre gekommenen Geschäftsmodells. Das neue Lab will kein Brutkasten (Inkubator), kein Beschleuniger (Accelerator) und auch keine Denkfabrik ( Think Tank) für Gründer sein, sondern von jedem dieser Konzepte etwas.
„Uns geht es darum, für unsere Kunden und die Deutsche Bank die besten Technologien zu finden. Diese können dann zum Beispiel neue Produkte oder neue Dienstleistungen unterstützen“, sagt Luc Mériochaud, der Leiter der neuen Einrichtung. Anders als viele seiner Mitbewerber veranstaltet Mériochaud auch kein Start-up-Casting. Sein Lab soll ein Ort sein, an dem Innovation stattfindet.

Es geht um neue Verfahren zur Authentifizierung im digitalen Banking, um digitale Investment-Ratgeber, smarte Transaktionsverfahren. Kreative sollen in dem Lab auf etablierte Unternehmen treffen, Ideen auf Erfahrung.

Deutsche Bank mit Labs im Valley, in London und Berlin

Die Deutsche Bank unterhält solche Innovation Labs nicht nur in Berlin, sondern auch in London und im Silicon Valley. Während in Berlin die Innovation des Privatkundengeschäfts im Mittelpunkt steht, geht es in London um das Transaktions-Business. Der Leiter des Berliner Labs, Luc Mériochaud (41), kennt das Bankgeschäft in allen Facetten. Er arbeitete nach einer Lehre bei der Deutschen Bank und einem Ökonomie-Studium in Hamburg, Berlin, Oxford und Paris als Investmentbanker in London und New York und anschließend zehn Jahre lang als Unternehmensberater bei McKinsey im Bereich Innovation und Strategie. Mériochaud ist Deutsch-Franzose und in Paris und Hamburg aufgewachsen. Er lebt seit 15 Jahren in Berlin.

Das Innovation Lab der Deutschen Bank ist in den Hackeschen Höfen in Berlin Mitte angesiedelt. Auf einer Fläche von 580 Quadratmetern können bis zu 40 Menschen arbeiten. In den Räumen entwickeln nicht nur Gründer und Erfinder neue Ideen. Die Bank veranstaltet dort auch Workshops: Zuletzt war die Columbia University aus New York zu Gast, dann eine chinesische Bank.

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