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Die Welt der Berliner Start-ups

BlueYard und die neue Generation der Native VC

11. Januar 2016 · Keine Kommentare · Allgemein

Es waren sechs Meldungen im Kurznachrichtendienst Twitter, die die Berliner Investorenlandschaft in den ersten Tagen des neuen Jahres veränderten: „BlueYard Capital ist ein neues Wagniskapitalunternehmen in Berlin, das einen 120 Millionen Dollar umfassenden Frühphasen-Fonds in Europa investiert“. So lautet übersetzt die erste Nachricht. Die folgenden fünf Meldungen präzisieren diese Botschaft.

Ciarán O’Leary, in den vergangenen Jahren das Gesicht des Berliner Wagniskapitalgebers Earlybird und eine der wichtigsten VC-Persönlichkeiten der Hauptstadt, hat den neuen Fonds mit seinem Ex-Kollegen Jason Whitmire gegründet. Als Partner haben die beiden Chad Fowler an Bord genommen, den neuen Chef des Berliner Vorzeige-Startups 6wunderkinder, das im vergangenen Jahr von dem Elektronikkonzern Microsoft gekauft worden war. Die Summe wurde nie genannt. In Branchendiensten wurden Beträge in Höhe von bis zu 200 Millionen Dollar genannt. Fowler hatte seinen neuen Job von Gründer Christian Reber übernommen, der seinen CEO-Posten einige Monate nach dem Verkauf niederlegte. Fowler war zuvor Technikchef (CTO) des Unternehmens.

BlueYard startet Ära der Native VC

BlueYard markiert eine neue Phase und eine höhere Entwicklungsstufe der Berliner Start-up-Landschaft. Inzwischen ist in Berlin die nächste Generation von Investoren gereift, die das Ökosystem selbst mit seiner finanziellen Dynamik hervorgebracht hat. Der Verkauf von Internet-Unternehmen, den der Branchenjargon „Exit“ nennt, macht immer öfter leitende Angestellte, die mit Unternehmensbeteiligungen bezahlt wurden, zu Investoren. Diese „Native VC“ fehlten bislang in Berlin.

Im vergangenen Jahr hat sich das geändert. Die Gründung von BlueYard ist kein Einzelfall: Paua Ventures zum Beispiel, die in den Sextoy-Händler Amorelie, die Online-Parfumerie Flaconi und den Web-Discounter Lesara investiert sind, schloss einen 45 Millionen Dollar umfassenden Fonds. Dieses Kapital soll in junge und viel versprechende Gründungen investiert werden.

Zahlreiche neue Fonds in Berlin

Auch „b-to-v“ legte im vergangenen Jahr einen neuen Fonds mit einem Volumen von mehr als 60 Millionen Euro auf. Rund 200 unternehmerische Privatpersonen stehen hinter dieser Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in aus St. Gallen und Berlin. Auch b-to-v investiert früh in Unternehmen. Der Chauffeurdienst Blacklane gehört ebenso zu den Portfolio-Unternehmen von b-to-v wie der 3D-Druck-Pionier BigRep, der Weinhändler Wine in Black oder der Onlineshop für Babybedarf, windeln.de, de inzwischen an die Börse gegangen ist.

Weitere Beispiele sind das Wagniskapitalunternehmen Cherry Ventures, hinter dem mit Filip Dames und Christian Meermann zwei Zalando-Urgesteine stehen, der neue 55-Millionen-Fonds von Point Nine Capital, oder der 100-Millionen-Euro-Fonds von Eran Davidson, der zuvor die Investments des deutschen Software-Pioniers und SAP-Gründers Hasso Plattner steuerte. Auch hier liegt der Fokus auf jungen Internetunternehmen mit bahnbrechenden Perspektiven.

Für Ciarán O’Leary, der gegenwärtig öffentlich nicht gerne über sein neues Projekt spricht, ist die neue Gemengelage in der Berliner Investorenszene ein „ein sehr großer Schritt für das Ökosystem“. BlueYard will jedenfalls in Internet-Unternehmen investieren, die Märkte dezentralisieren und damit demokratisieren, indem sie Zugangsbarrieren aus den Angeln heben und Technologien für eine breitere Masse zugänglich machen

Den drei BlueYard-Investoren ist bei der Auswahl ihrer künftigen Portfolio-Unternehmen der Umgang mit Nutzerdaten von großer Bedeutung, heißt es in einem Blogbeitrag von O’Leary. Chancen auf Investments haben Unternehmen, die ihre Nutzerdaten dezentralisieren und von den Mogulen der Datenwirtschaft ebenso fern halten wie vom Zugriff staatlicher Stellen. Das dürfte das spannendste Projekt von BlueYard werden.

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