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Die Welt der Berliner Start-ups

TransferWise auf Partnersuche

23. Dezember 2015 · Keine Kommentare · Allgemein
TransferWise-Gründer Taavet Hinrikus picture alliance / Jan Haas

TransferWise-Gründer Taavet Hinrikus Foto: picture alliance / Jan Haas

  • TransferWise bietet billige Auslandsüberweisungen.
  • Jetzt hat das Start-up seinen ersten Bank-Partner gefunden.
  • Auch Berliner Start-ups haben Interesse an Kooperationen.

Geldbeträge von einem Währungsraum in den anderen zu überweisen ist für Verbraucher teuer. In der Regel stellen Banken und Sparkassen Gebühren von zehn Euro oder mehr in Rechnung. TransferWise, ein Start-up aus London, macht das billiger: mit niedrigen Gebühren, über die ein Rechner auf der Webseite informiert, und mit Echtzeit-Wechselkursen. Das Start-up behauptet, im Durchschnitt sechs Mal günstiger zu sein als Banken. Nach Firmenangaben werden monatlich Auslandsüberweisungen in Höhe von insgesamt 700 Millionen Euro abgewickelt.

Bislang hat TransferWise mit auffälligen Aktionen die traditionellen Banken wegen der Gebühren verspottet. Doch jetzt hat das Start-up seinen Kurs geändert und ersten Kooperationspartner in der Welt der Banken gefunden: die LHV, Estlands größte einheimische Bank, mit 70.000 Kunden und Filialen in allen drei baltischen Staaten. Nutzer können den Dienst direkt über die Smartphone-App von LHV nutzen, ab Anfang 2016 auch auf der Website der Bank.

Offene API ermöglicht Partnerschaften

Die estnische Bank dürfte nicht lange Exklusivpartner bleiben. Denn TransferWise hat eine Programmschnittstelle geöffnet, um den Dienst zu ermöglichen. Das bedeutet, dass die Überweisungstechnologie in eine Vielzahl von digitalen Dienstleistungen integriert werden kann – bei Banken, Kurznachrichten-Programmen, digitalen Geldbörsen, auf Onlinehandels- Marktplätzen und bei Mobilfunkbetreibern.

TransferWise ist eine Start-up des Skype-Erfinders Taavet Hinrikus. Nach dem Verkauf des Videotelefoniedienstes Skype für 3,1 Milliarden Dollar an eBay (2005) und später an Microsoft suchte Hinrikus ein neues Projekt, das er 2011 in der Online-Plattform für Auslandsüberweisungen in Länder außerhalb des Euro-Raums fand.

Wie TransferWise funktioniert

Er arbeitete für das estnische Unternehmen Skype in London und war es leid, jeden Monat hohe Gebühren für die Überweisung seines Gehalts von Estland (Euro) nach Großbritannien (Pfund) zu bezahlen. Sein späterer Mitgründer Kristo Käärmann hatte das umgekehrte Problem: Er wurde in London in Pfund bezahlt, musste aber in Estland eine Hypothek in Euro abbezahlen – auch hier fielen hohe Gebühren an. Sie taten sich zusammen und halfen sich gegenseitig.

Das war das Modell für TransferWise: Beide sparen die Überweisungsgebühren, wenn Taavet mit seinen Euros in Estland Kristos Darlehen zahlt und Kristo den entsprechenden Betrag in Pfund an den in London lebenden Taavet gibt. Das war die Blaupause für den Peer-to-Peer-Marktplatz TransferWise.

Das Unternehmen beschäftigt inzwischen weltweit 400 Mitarbeiter. TransferWise finanziert sich durch Investoren und hat mittlerweile 91 Millionen Dollar von Kapitalgebern wie Andreessen Horowitz, Sir Richard Branson, Peter Thiels Valar Ventures, Max Levchin und Vikram Pandit eingesammelt.

Gespräche mit Number26

Taavet Hinrikus sieht in der ersten Bankenkooperation einen „wichtigen Schritt für die gesamte Finanzindustrie“. Wie zu hören ist, gibt es auch bei Berliner Finanztechnologie-Start-ups Interesse. So sollen bereits Gespräche mit dem Smartphone-Girokonto Number26 über die Integration des Überweisungsdienstes in die App der Berliner laufen.

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