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Studie: Die zehn wichtigsten Fragen zur Crowd-Finanzierung

23. November 2015 · Keine Kommentare · Allgemein
  • Zehn Fragen zur Crowd-Finanzierung
  • Studie der Investitionsbank Berlin IBB beleuchtet das boomenden Finanzierungsinstrument

Berlin – Fast wöchentlich gibt es neue Erfolgsmeldungen: 7,5 Millionen Euro für den Bau eines Fünf-Sterne-Resorts, eine Million Euro für ein die Erforschung eines Krebsmedikaments, 400.000 Euro für einen Safran-Händler, 200.000 Euro für eine Rechtsanwälte-App, 120.000 Euro für eine Bildungsplattform für Flüchtlinge, 5000 Euro für die Produktion eines Studio-Albums. Wissenschaftler, Unternehmer, Künstler und Aktivisten finden durch das Internet Geldgeber für Projekte jeder Art und Größe. Die Investitionsbank Berlin (IBB) untersucht dieses seit einigen Jahren wachsende Internet-Phänomen des Crowdfinancing in einer Studie. Dabei geht sie vor allem der Frage nach, welche Potenziale dieser Trend hat und welche Chancen sich ergeben – für traditionelle Finanzdienstleister und für die Investoren im Internetschwarm.

Zwischen 2012 und 2014 hat sich das Crowdfinancing von rund 2,5 auf 14,6 Milliarden Euro fast versechsfacht und dürfte sich in 2015 auf mehr als 30 Milliarden Euro erneut verdoppeln, so die Studie. Davon entfallen derzeit fast drei Fünftel auf Nordamerika und jeweils knapp ein Fünftel auf Asien und Europa. Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen zum Thema Crowdfinancing. In Deutschland hat die Crowd seit 2010 mehr als 250 Millionen Euro investiert, wie die Universität Cambridge in einer Studie herausgefunden hat. Tendenz steigend.

  1. Was bedeutet Crowd-Finanzierung?

Die Wurzeln der Bewegung liegen im nicht profit-orientierten Crowdfunding. Dabei geht es darum, Investoren für soziale oder kulturelle Projekte zu finden. Die Projektorganisatoren suchen im Netz auf Plattformen wie Indiegogo, Kickstarter oder Betterplace Spender. Internetnutzer, die sich für die Kampagnen interessieren, zahlen Geldbeträge ein. Beim Crowdfunding gibt es keine Gewinnabsicht. Vielmehr geht es für den Investor darum, Teil einer Bewegung zu sein und Gutes zu tun.

Aus dem Crowdfunding haben sich in den letzten Jahren die renditeorientierte Arten des Crowdinvesting (Startup-Beteiligungen) und des Crowdlending (Darlehen) entwickelt. Bei der Schwarmfinanzierung werden Internetnutzer Teilhaber oder Unterstützer der ebenfalls auf Webplattformen präsentierten Projekte. Manchmal erhalten die Investoren Firmenanteile. In anderen Fällen (Kickstarter) unterstützen sie eine Produktentwicklung und gehören dann zu den ersten, die das neue Produkt oder eine besondere Version davon erhalten.

  1. Wie entwickeln sich die Plattformen?

Deutschland ist bei der Crowdfinanzierung noch ein Entwicklungsland: Im vergangenen Jahr wurden hier 140 Millionen Euro investiert, so die Cambridge-Studie. Zum Vergleich: Großbritannien kommt auf 2,3 Milliarden Euro. Startnext ist in Deutschland die größte Crowdfundingplattform, Seedmatch das größte Portal für Crowdinvesting. Companisto ist zum einen mit einer Mindestbeteiligung von fünf Euro das Unternehmen mit der niedrigsten Einstiegshürde zum anderen eines der erfolgreichsten bei der Immobilienfinanzierung. Darauf hat sich auch Bergfürst spezialisiert. Auf Crowdfunding entfallen derzeit weniger als zwei Prozent des gesamtes Beteiligungsgeschäfts. In der nächsten Dekade seien Marktanteile von 30 Prozent und mehr nicht auszuschließen, so die IBB.

  1. Was sind die Vorteile der Crowd-Finanzierung?

Crowdfinance ist Zeitgeist. Wer investiert, ist Teil einer innovativen Bewegung. Zudem winken auch hohe Renditen. „Wo sonst ist es möglich, Kleinbeträge in der Regel ab 50 Euro mit bis zu zweistelligen Renditen anzulegen und das bequem via Internet“, sagt IBB-Chef Jürgen Allerkamp.

Für sehr junge Start-ups kann eine Crowdfunding-Kampagne interessant sein: „Schließlich ist Crowdinvesting und Crowdlending insbesondere für risikoreiche Start-ups und innovative Unternehmen mit nur geringen Sicherheiten geeignet, die oft keinen professionellen Investor gefunden haben, manchmal aber auch keinen suchten“, kommentiert Allerkamp seine Studie. Für die Unternehmen sei dies auch ein guter Test für die Marktgängigkeit.

 

  1. Welche Gefahren drohen den Investoren?

Die Risiken sind beträchtlich. Crowdinvestoren gewähren in der Regel Nachrangdarlehen. Wird das Start-up insolvent, geht der Investor leer aus. Auch wenn es ein Start-up nicht schafft, ein angekündigtes Produkt fertigzustellen und anzubieten, erhält der Investor sein Geld in der Regel nicht zurück. Dann schlagen schnell die Emotionen von Investoren hoch, die sich geprellt fühlen und gerne ihr Geld zurück hätten. Das Berliner Kaffeeröster-Start-up Bonaverde ist so ein Fall: Knapp 700.000 Euro bei Kickstarter eingesammelt, keine Maschine geliefert. Der Blick in die Kommentarspalte der Kampagne lohnt sich. Auch beim Crowdlending liegt das Risiko ausschließlich auf Investorenseite. Die Plattformen fungieren lediglich als Marktplätze.

 

  1. Welche Chancen bieten sich bei der Crowd-Finanzierung für Berlin?

Crowdfunding gewinnt laut IBB für die Kreativwirtschaft und den Kulturbereich zunehmend an Bedeutung, Crowdinvesting für Start-ups, die noch kein marktreifes Produkt entwickelt haben. „Zukunftspotenziale bestehen in der Verknüpfung von Crowdfinance mit den Wirtschaftsförderprogrammen des Landes“, heißt es in der Studie. Förderkredite könnten Finanzierungslücken schließen, die nach einer Crowdkampagne offen bleiben. Auch der umgekehrte Weg ist denkbar wie im Fall von des Mobilitäts-Start-ups Carzapp: Auf ein Investitionsdarlehen der Förderbank folgte eine erfolgreiche Crowdkampagne.

  1. Passen Crowd- und herkömmliche Finanzierungen zusammen?

„Mittlerweile sehen auch etablierte Finanzierungsinstitute junge FinTech-Unternehmen immer mehr als potentielle Partner mit Innovationskraft und kreativem Know-how“, sagt Allerkamp. Die Zeichen stehen eher auf Kooperation denn auf Konfrontation. So investierte die US-Vermögensverwaltung Victory Park Capital 230 Millionen Euro in Unternehmenskredite der damaligen Crowdlending-Plattform Zencap, die inzwischen im britischen Unternehmen Fundingcircle aufgegangen ist. Allerdings wollen manche Wagniskapitalgeber lieber alleine das Sagen in einem Start-up haben. So hat beispielsweise das FinTech-Start-up Cashboard seine Crowdinvestoren ausgezahlt, um dann einen Profi an Finanz-Bord zu nehmen.

 

  1. Welche Kooperationsbeispiele gibt es zwischen Banken und Crowdfinanz-Szene?

Die Investitionsbank Berlin (IBB) als Berliner Förderinstitut mit einer eigenen Beteiligungsgesellschaft steht einer Zusammenarbeit mit einer Crowd offen gegenüber und kann sich eine komplementäre Startup-Finanzierung „sehr gut vorstellen“, heißt es in der Studie. „Voraussetzung ist, dass mögliche Anschlussfinanzierungen professioneller Investoren in der Wachstumsphase nicht durch eine zu hohe Komplexität gefährdet werden. Dazu empfehlen wir den Plattformen, die Crowd-Interessen zu poolen und im Auftrag zu betreuen“, sagt der IBB-Chef.

 

  1. Wo ist das Potenzial für Crowdfinanzierung am höchsten ?

Crowdlending für Privatpersonen ist der Studie zufolge weltweit das stärkste Segment für alternative Finanzierungen und hat das ursprüngliche Crowdfunding bereits weit überholt. Als größte Plattform gilt Lending Club. Sie hat seit 2006 Privat- und Unternehmenskredite in Höhe von 13,4 Milliarden Dollar ausgereicht, davon allein im vergangenen Quartal 2,2 Milliarden.

 

  1. Wie wird sich das Crowdfinanzierung entwickeln ?

Eine Expertenbefragung der Universität St. Gallen prognostiziert einen deutschen Crowdfinancing-Markt von 500 Millionen Euro im Jahr 2020. Der von der IBB zitierte Crowdfunding Industry Report beschreibt für 2014 ein globales Crowdfinance-Volumen 14,6 Milliarden Euro mit einem Plus von 167 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwei Drittel davon sind darlehensbasierte Finanzierungen. Die Autoren der Studie erwarten für 2015 eine Verdopplung.

 

  1. Braucht Crowdfinanzierung eine staatliche Regulierung?

Die Crowdfinanz-Lobby erreichte eine Änderung im neuen Kleinanlegerschutzgesetz. Danach gilt die Prospektpflicht nur für Kampagnen über 2,5 Millionen Euro. Solche Prospekte mit finanziellen Details zum betreffenden Unternehmen sollen dem Anleger helfen, Investitionsentscheidungen zu treffen. Eine Expertengruppe der EU entwickelt ein Gütezeichen für Crowdfinanz-Unternehmen und prüft, ob eine europaweite Harmonisierung der Vorschriften erforderlich ist.

 

 

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