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Die Welt der Berliner Start-ups

Warum Funding Circle Zencap schluckt

20. Oktober 2015 · Keine Kommentare · Allgemein
Alte und neue Chefs: Matthias Knecht, Samir Desai, Christian Grobe

Alte und neue Chefs: Matthias Knecht, Samir Desai, Christian Grobe

Im Haifischbecken der digitalen Finanzdienstleister (FinTechs) gelten einfache Gesetze: Wer nicht schnell genug wächst, wird gefressen. Dieses Schicksal widerfuhr jetzt dem Berliner Start-up Zencap, ein Unternehmen der Start-up-Fabrik Rocket Internet.

Start-ups wie Zencap verleihen Geld, das sie von privaten und institutionellen Anlegern eingesammelt haben, nach Abzug einer Provision an kleine Unternehmen. Ein Algorithmus errechnet das Ausfall-Risiko. Die Obergrenze der Kredite beträgt in Deutschland 250.000 Euro (USA: 500.000 Dollar).

Zencap geht an Funding Circle

Zencap wird für eine ungenannte Summe von der britischen Internet-Kreditplattform Funding Circle übernommen, die seit August 2010 auf dem Markt ist – zunächst in Großbritannien, dann in den USA. Das Unternehmen hat seitdem Kredite in Höhe von 1,3 Milliarden Euro an 12.000 Firmen ausgezahlt.

Für Samir Desai, den Gründer von Funding Circle, war es ein Fest, gestern die FinTech-Konferenz LendIt in London mit der Nachricht von der Übernahme des deutschen Mitbewerbers zu eröffnen. Das sind Signale, die den Ruf von London als europäischer FinTech-Metropole stärken.

Eintrittskarte in den Kontinentalmarkt

Die Übernahme ermöglicht Desai den Eintritt nach Kontinentaleuropa mit einer Wirtschaft, die von einem starken Mittelstand mit einem hohen Kreditbedarf geprägt ist. Mit einer Billion Euro sei dieser größer als der Markt der USA und Großbritannien zusammen. Neueste Zahlen der Förderbank KfW beziffern den Kreditbedarf des deutschen Mittelstandes mit knapp 120 Milliarden Euro.

Desai will sich von der klassischen Bankenwelt unterscheiden – vor allem will er besser sein als herkömmliche Finanzinstitute und nicht Fehler machen, die zuletzt in der Bankenkrise zu Tage traten. Sein Unternehmensziel im Jahr 2025 bezifferte er mit einem Kreditvolumen von 100 Milliarden Dollar (88 Milliarden Euro) jährlich. Da sei ja nur das 70-Fache der heutigen Summe, gab er sich gegenüber dem Business Insider sportlich.

Marktplatz für den schnellen Kredit

Die Transparenz der Bonitätskriterien, die einfache Anfrage innerhalb von 15 Minuten und eine Zu- oder Absage innerhalb von 48 Stunden, demokratischer Zugang zu den Kapitalmärkten und die Anpassung der Laufzeitinteressen von Gläubigern und Schuldnern bezeichnete er als Prinzipien für Online-Finanzmarktplätze.

Die Start-up-Fabrik Rocket Internet erfährt mit dieser Übernahme einmal mehr, dass es nicht leicht ist, in der Finanzbranche Fuß zu fassen. Rocket, das mit dem Onlinehandel zu seiner heutigen Größe herangewachsen ist, hatte lange gezögert, den FinTech-Markt zu betreten: Zencap wurde im Dezember 2013 gegründet, der Kreditmarktplatz Lendico im März 2014. Da waren Unternehmen wie Funding Circle von mehr als drei Jahre auf dem Finanzmarkt tätig.

Crowdinvesting ist riskant

Auch wenn die Rocket­-Babys den Eindruck florierender Kreditfirmen machen wollen, so sehr hoch sind sie bisher nicht geflogen. Lendico musste sich Anfang des Jahres aus drei Ländern zurückziehen, Zencap hat bislang 35 Millionen Euro an 520 Unternehmen ausgezahlt. Das ist ein schöner Erfolg für ein junges Start-up, aber Peanuts in Kreditmarkt-Maßstäben.

Crowdinvesting ist zudem ein riskantes Geschäft, denn die junge Branche kann Ausfallrisiken noch nicht valide beziffern. Gerne wird behauptet, sie lägen mit ungefähr zehn Prozent nicht höher als in der traditionellen Kreditwirtschaft. Allerdings (und das macht den Unterschied) tragen hier die Anleger und nicht Banken das volle Risiko. Kapitalgeber werden von Renditeangeboten gelockt, die mit bis zu 15,61 Prozent deutlich über den Margen des sonstigen Marktes liegen.

Deutschland auf Platz acht

Der deutsche Markt gilt zudem in der Branche als kritisch. Er ist hoch reguliert und ist von stärkeren Ressentiments der Internet-Crowd gekennzeichnet als Märkte anderer europäischer Länder. Das belegen Zahlen der Universität Cambridge: Bei dem auf alternativen Märkten getätigten Finanzvolumen pro Kopf kommt Deutschland im Europavergleich auf einen schwachen achten Platz, wenngleich der Markt mit 140 Millionen Euro als der drittgrößte in Europa gilt mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 113 Prozent seit 2012. Das lässt hoffen.

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