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Die Welt der Berliner Start-ups

Google Impact Challenge – Die Digitalisierung des Ehrenamts

23. September 2015 · Keine Kommentare · Allgemein
Wie Vereine und Organisationen das Potenzial des Internet besser nutzen können

Jeder dritte Deutsche engagiert sich ehrenamtlich in Vereinen oder gemeinnützigen Organisationen. Und das nicht erst, seit Zehntausende Flüchtlinge in unser Land strömen. Die meisten sind seit Jahren und Jahrzehnten mit Hand, Herz und Kopf aktiv.

Viel zu wenige dieser 23 Millionen Menschen bedienen sich des Internets, um ihren Ideen und Idealen Flügel zu verleihen. Dabei ist das Netz wie geschaffen, um Öffentlichkeit herzustellen, um Netzwerke zu flechten, um Innovationen zu kreieren.

Eine, die sich da auskennt, ist Joana Breidenbach. „Wir haben schon vor acht Jahren das Potenzial des Internets für zivilgesellschaftliches Engagement erkannt“, erzählt die Mitgründerin von Deutschlands größter Onlinespendenplattform, Betterplace.org, in Berlin. Sie hat seit 2007 insgesamt 20 Millionen Euro Spenden eingesammelt und an Projekte weitergeleitet.

Auf digitale Herausforderung nicht vorbereitet

Viele Organisationen und Vereine hätten zwar eine Website oder eine Facebook-Seite, sie seien aber nicht wirklich vorbereitet auf die digitale Herausforderung, sagt Joana Breidenbach. Die Betterplace-Gründerin will daran arbeiten, dass sich das ändert. „Wir sehen, dass es Vereinen an Vorstellungskraft mangelt.“ Mit Webinaren will sie Menschen zeigen, was in der digitalen Welt möglich ist.

Sie ist Teil eines Projekts des Internetkonzerns Google, der hier mit einem guten Beispiel vorangeht. Knapp vier Millionen Euro will das Unternehmen an gemeinnützige Organisationen und Vereine ausschütten, die sich in die digitale Welt wagen, um dort für sich und andere Gutes zu tun. Im Rahmen der am Dienstag gestarteten „Google Impact Challenge“ sollen mehr als 100 Projekte ausgezeichnet werden, die ihr ehrenamtliches Engagement mit Technologie unterstützen. Schirmherrin ist Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). „Es braucht Vorreiter, die zeigen, wie wir die Informationstechnologien für das bürgerschaftliche Engagement besser nutzen können“, sagt die Ministerin.

Digitale Ideen anstiften

Zu diesen Vorbildern zählt neben Breidenbach auch Felix Oldenburg, Europa-Chef des Social-Entrepreneurship-Netzwerks Ashoka, das Gründungspersönlichkeiten hinter neuen sozialen Organisationen sucht. Auch er räumt ein, dass die Digitalisierung des sozialen Sektors in Deutschland noch nicht fortgeschritten ist. „Wir wollen Ideen anstiften“, sagt er und bezeichnet das Onlineportal Abgeordnetenwatch als Leuchtturm. Bürger können sich dort mit Fragen an ihre Abgeordneten wenden. Es ist mit monatlich fast 400.000 Besuchern Deutschlands größtes politisches Dialogportal. „Das ist ein Exportschlager. Aber ansonsten gibt es in diesem Bereich in Deutschland wenig“, sagt er.

Was es in Berlin gibt, sind aber kleinere Projekte: ­Cucula.org zum Beispiel. Diese Kreuzberger Initiative versteht sich als Modellbetrieb, der Flüchtlinge bei der Berufsfindung unterstützt. In der Werkstatt entwerfen Flüchtlinge Möbel und stellen sie mit ihren Händen her. Verkauft werden die Exponate über das Internet.

Netzwerk für Hinterhof-Flohmärkte

Oder Pollyandbob.com: Diese Onlineinitiative aus Friedrichshain hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Zusammenleben in der Nachbarschaft zu verbessern. „Wir glauben an eine Welt, in der die soziale Verbundenheit nicht durch die Anzahl der Facebook-Freunde gemessen wird, sondern an der Anzahl der Nachbarn, die dich beim Vornamen grüßen“, heißt es im Manifest des Vereins, der Hinterhofflohmärkte vernetzen will und Kinderkleidertausch anbietet.

Die Carusos vom Chorverband in Kreuzberg haben damit begonnen, eine Kinderliederdatenbank für Kitas aufzubauen. Eine Kölner Initiative bietet eine Kältebus-App für Obdachlose an, die Umweltspäher aus Schwaben wollen Bienen mit Pestizidsensoren ausstatten und Beyond 12 unterstützt Studenten mit niedrigem Einkommen.

„Refugees on Rails“ will sich bewerben

Refugees on Rails“, eine Berliner Initiative, die Kriegsflüchtlingen Programmierkenntnisse vermitteln will, reagierte auf ihrer Facebook-Seite gestern begeistert über die neue Google-Initiative: „Total spannend. Wir werden uns bewerben.“

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