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Die Welt der Berliner Start-ups

Schlechte Zeiten für Business Angel

10. August 2015 · Keine Kommentare · Allgemein
ARCHIV - ILLUSTRATION - Banknoten von 50, 20 und 10 Euro, liegen am 29.09.2010 in Magdeburg beisammen. Das Thüringer Wirtschaftsministerium will noch in diesem Jahr neue Förderinstrumente einsetzen, um Menschen zu unterstützen, die im Freistaat ein Unternehmen gründen wollen. Foto: Jens Wolf/dpa (zu lth «Thüringen will Gründer mit Mikrokrediten helfen» vom 06.08.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: DPA

Start-ups funktionieren nach einem einfachen Schema. Gründer mit einer Idee suchen einen Investor, der ihrem Projekt vertraut. Der Investor gibt den Gründern Geld und erhält dafür Firmenanteile. Wenn das Start-up erfolgreich ist, steigt der Wert dieser Anteile und bei einem späteren Verkauf der Firma macht der Investor Gewinn. Hat das Start-up keinen Erfolg, verliert der Investor seinen Einsatz. Ungefähr 80 Prozent aller Start-ups widerfährt dieses Schicksal.

Die Motive der Investoren für ihr Engagement in diesem hochriskanten Segment sind unterschiedlich: Manche sind Zocker, andere handeln aus Passion oder haben Erfolge mit ihren Investments aufzuweisen. Investoren, die der Start-up-Philosophie verbunden sind, investieren immer wieder und träumen davon, auch einmal so (erfolg)­reich wie etwa Peter Thiel zu werden, der den Bezahldienst PayPal erfunden hat und einen Teil seines Kapitals vor ungefähr zehn Jahren in eine Garagenfirma namens Facebook steckte. Wie das ausging, ist bekannt.

Steuervorteile für Business Angel

Bislang profitierten Investoren in Deutschland davon, dass sie auf Verkaufserlöse aus Unternehmensbeteiligungen in Streubesitz fast keine Steuern zahlen müssen, wenn sie dieses Kapital wieder in ein Unternehmen stecken. Das machte Investments in Start-ups lukrativ und kann als einer der Gründe bezeichnet werden, weshalb sich die Start-up-Szene gerade in Berlin so explosionsartig entwickelte.

Wer heute in dieser Stadt eine innovative Idee hat und ein Start-up gründet, muss sich um eine Startfinanzierung weniger Sorgen machen als noch vor einigen Jahren. Es gibt inzwischen zahlreiche Business Angel, die in Zeiten niedriger Zinsen auf lukrative Investments lauern. Ein Drittel aller Start-ups, so die Studie Startupmonitor des Bundesverbandes Deutsche Start-ups, baut auf dieses Finanzierungsmodell.  Verbreitet sind auch Co-Finanzierungen, bei denen öffentliche Geldgeber (Hightech-Gründerfonds, Investitionsbank Berlin, Wagniskapitalzuschuss Invest des Wirtschafts­ministeriums) und private Investoren gemeinsam aktiv werden. Laut Startupmonitor gehen knapp 60 Prozent aller Gründungen diesen Weg.

Gründerszene durch neue Steuer in Gefahr

Der Start-up-Verband sieht nun Teile der Gründerszene in Gefahr, sollte der Bundesfinanzminister (wie im Diskussionsentwurf zum geplanten Investmentsteuerreformgesetz vom 22. Juli beschrieben) diesen Steuerbonus für Business Angel kappen. Verbandschef Florian Nöll wirft der Bundesregierung Wortbruch vor: „Die Bundesregierung betont bei jeder Gelegenheit, dass sie die Finanzierungsbedingungen für Start-ups nicht verschlechtern wird. Mit dem Gesetzesentwurf bricht sie dieses Versprechen und entzieht unseren Gründerinnen und Gründern massiv dringend benötigtes Kapital.“ Es scheint, als reiße Finanzminister Schäuble (CDU) das ein, was Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) und andere öffentliche Geldgeber aufbauen.

Bei Gründern stößt diese Strategie auf Unverständnis. Johannes Reck, der die Touristikplattform GetYourGuide seit 2009 zu einem der weltweit führenden Aktivitätenanbieter ausbaute, sagt: „Deutschland und Europa brauchen Wachstum und Wachstumsfinanzierung dringender denn je. Jegliche Steuer in diesem Bereich wird uns langfristig nicht reicher, sondern sehr viel ärmer machen.“ Die Regierung habe es selbst in der Hand, in Deutschland ein Ökosystem zu schaffen, in dem die großen Internet-Unternehmen der Zukunft entstehen könnten.

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