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Die Welt der Berliner Start-ups

Wie Lendico und Zencap die Finanzwelt umkrempeln wollen

28. Mai 2015 · Keine Kommentare · Allgemein

IMG_2309Was der Musikstreamingdienst Spotify in der Musikindustrie erreichte, versuchen immer mehr Startups in der Finanzwirtschaft. Banken sehen den Erfindungen weitgehend tatenlos zu. Ein Beispiel sind Kreditmarktplätze wie Lendico und Zencap. Zwei ihrer Gründer sprachen jetzt über ihre Visionen.

Digitale Zugänge für bewährte Modelle

Die erfolgreichsten Neulinge auf dem Finanzmarkt haben eines gemeinsam: Sie übernehmen bewährte Produkte weitgehend unverändert, schaffen aber neue Zugänge: TransferWise bietet internationale Online-Bargeldüberweisungen mit minimalen Gebühren. Square ermöglicht mobile Kreditkartenzahlungen, Number26 bringt ein komplettes Girokonto auf das Smartphone. Gini Pay ermöglicht Überweisungen durch einfaches Fotografieren einer Rechnung mit dem Handy. Orderbird und PayPal reduzieren Bezahlvorgänge in Restaurants auf einen Klick. Und Weltsparen vermittelt internationale Anleihen, die Privatanlegern gewöhnlich verschlossen bleiben.

Auch die Kreditwirtschaft ist im Umbruch. Zencap und Lendico – zwei Startups aus dem Brutkasten von Rocket Internet in Berlin – haben sich auf dieses Geschäftsfeld spezialisiert. Zencap ist ein Marktplatz für Unternehmenskredite, Lendico für Kredite an Privatpersonen. Sie wollen Kreditnehmer und Kapitalgeber verbinden (Peer-to-Peer-Kredite).

Kredit in 48 Stunden bewilligt

Das soll möglichst unkompliziert vonstattengehen. Der Online-Antrag für einen Kredit bis zu 250.000 Euro sei in zehn Minuten ausgefüllt, sagen die Gründer. Spätestens 48 Stunden später liege eine Bewilligung vor, wenn der Kunde die Bonitätsprüfung bestanden hat.

Diese erfolgt weitgehend durch Datenanalyse: Das Programm analysiert die Spuren eines Antragstellers im Netz – zum Beispiel in sozialen Netzwerken. Insgesamt 30 Parameter werden abgefragt. Welche das genau sind, verraten die Unternehmen nicht. Die Entscheidung fällt anschließend ein Analyst. Denn auch Algorithmen haben ihre Grenzen.

Anleger tragen das Ausfallrisiko

Die Startups sammeln das erforderliche Kapital im Internet ein. Anleger stellen es bereit, wobei risikoabhängige Renditen versprochen werden. Allerdings tragen Anleger allein das Ausfallrisiko. „Wir hatten bisher nur einen Ausfall bei 400 ausgezahlten Krediten“, sagt Zencap-Mitgründer Matthias Knecht (auf dem Foto rechts). Zunehmend interessieren sich auch institutionelle Kapitalgeber für das Geschäftsmodell, wie Lendico-Mitgründer Christoph Samwer (auf dem Foto links) sagt, ein Cousin des Rocket-Chefs Oliver Samwer.

„Wir haben den genossenschaftlichen Gedanken auf ein digitales Level gehoben“, sagt Samwer. Seine Plattform zählt inzwischen 200.000 Nutzer und ein Anfragevolumen von mehr als einer Milliarde Euro. Rocket-typisch expandierte die Plattform schnell. Fünf Monate nach dem Start war sie in fünf Ländern aktiv.

Sparda-Bank kooperiert mit Zencap

Auch Zencap verfolgt das genossenschaftliche Modell und kooperiert dazu mit der Sparda-Bank, der nach eigenen Angaben mitgliederstärksten Genossenschaftsbank in Deutschland. Beide Unternehmen haben sich vorgenommen, „den vielbeschworenen Kulturwandel in der Finanzindustrie aktiv voranzutreiben“, wie es in einer Mitteilung heißt. Mehr als 500.000 Mitglieder der Sparda-Bank Berlin können in Kreditprojekte von Zencap investieren.

Im Netz kommen solche Angebote an: Bei einem Voting des Onlineportals BankingCheck wurden Lendico und Zencap als „Bester Kreditmarktplatz“ bewertet. Der Preis wurde in 22 Kategorien vergeben. Insbesamt wurden 17.000 Bewertungen abgegeben.

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