Logo: Gründerzeit

Die Welt der Berliner Start-ups

Knut Jørstad – Lektionen für Berliner Gründer

18. Mai 2015 · Keine Kommentare · Allgemein
– Was der E-Commerce-Erfinder von Berlins Caffè-Latte-Unternehmen hält
– GTEC plant zwei Acceleratorprogramme in Berlin
– E-Commerce-Erfinder Jørstad hält Gastvorlesung

IMG_2284Es dürfte eine häufigsten Fragen unter Berliner Gründern sein: Wie werde ich mit meiner Idee möglichst schnell erfolgreich? Einer, der darauf aus eigener Erfahrung antworten kann, ist der Norweger Knut Jørstad (Foto). Er hat an die 20 Unternehmen gegründet, sieht sich selbst als Erfinder des E-Commerce – und gilt zumindest in seinem Heimatland längst eine Art Internet-Star. 2009 kam er als Berater und Investor nach Berlin.

Nun gab Knut Jørstad der Startup-Szene beim German Technology Entrepreneurship Center (GTEC) eine Vorlesung, wie er es vom Anbieter von Abenteuer-Expeditionen zum Netz-Guru gebracht hat. Schauplatz war das frühere Staatsratsgebäude der DDR, wo heute das GTEC residiert, das eine Kaderschmiede für die Berliner Gründerszene zu werden will. Erfahrene Gründer berichten hier in offenen Vorlesungen über ihre Erfolgsgeschichten. Das GTEC Berlin ist eine Initiative der Konzerne Henkel und RWE, der Elite-Universität ESMT (European School of Management and Technology), zweier Stiftungen und einer Anwaltskanzlei.

Die erste E-Commerce-Seite der Netzwelt

Im Jahr 1993 hatte Jørstad gemeinsam mit einem Freund, dem Informatiker Steinar Kjærnrød eine Idee: Sie wollten die Arktis-Expeditionen von Jørstads Unternehmen Arctic Adventours auf seiner Website nicht nur beschreiben, sondern dort auch die Möglichkeit der Buchung anbieten. Dazu hatten sie eine Hypertext-Version des Reisekatalogs programmiert. Zum ersten Mal konnten Interessierte im damals noch jungen Internet Abenteuertouren nach Spitzbergen buchen. Das damals innovative Angebot wurde ein Riesenerfolg. Die Server seien unter der Datenlast zusammengebrochen. Jørstad verkaufte das Unternehmen und wandte sich neuen Projekten zu. Sein Lernsatz der 90er-Jahre: Nicht ans Sparen denken, sondern daran, neue Einnahmequellen zu erschließen.

Anschließend gründete er Infostream, die Firma wurde in der Dotcom-Ära an ein französisches Unternehmen verkauft. In norwegischen Medien heißt es, dafür sei ein zweistelliger Millionenbetrag geflossen. „Das Internet wurde allgegenwärtig und beherrschend – vergleichbar einem menschlichen Gehirn“, sagt Jørstad über die Jahre 2000 bis 2005.

Globalisierung bietet neue Tätigkeitsfelder

Die im folgenden Fünfjahreszeitraum aufkommende Globalisierung bot ihm neue Tätigkeitsfelder. Der Austausch größerer Datenmengen war einfacher geworden, wenngleich es noch keine Internet-Cloud im heutigen Wortsinn gab. Jørstad gründete Tracetracker. Das Informationsportal sollte die Rückverfolgung von Lebensmittel-Zutaten vom Verbraucher bis zum Erzeuger möglich machen. Diese Idee wird er später mit Factlines wieder aufnehmen: Die Plattform soll für Transparenz in internationalen Lieferketten sorgen und fairen Handel ermöglichen – eine Art digitaler Handschlag zwischen Hersteller und Verbraucher.

Für die Zukunft erwartet Jørstad, der im Jahr 2009 von Norwegen nach Berlin zog und hier seinen Investment-Fonds Eisblink managt, drei Trends: einen Boom neuer digitaler Microservices (Beispiel: Livestreaming), die Digitalisierung der etablierten Industrien und des Mittelstandes sowie einen neuen Typus des Verbrauchers, der mehr Teilhabe fordert und sich weniger als Konsument versteht. Gründer brauchen nach seinen Worten Neugier und Leidenschaft. „Der Rest ist Organisation“, sagt er nach seiner Vorlesung über die wichtigsten Lehren, die er aus seiner eigenen Karriere gezogen hat.

Viele „Caffè-Latte-Unternehmen“ in Berlin

Was hat er in seinen Jahren in Berlin gelernt? In die hiesigen Startupszene gebe es viele „Caffè-Latte-Unternehmen“, die den nachlässigen Weg gehen, der auch ein Teil von Berlin ist, wird Knut Jørstad am Ende seines Vortrags auf eine Frage antworten. „Systematisches Arbeiten wird immer gewinnen“, hält er dagegen.

Was das GTEC in Berlin plant

Vom Sommer 2015 an sollen am GTEC zwei Acceleratorprogramme für Startups beginnen – eines für relativ neue Gründungen in Zusammenarbeit mit der Berlin Startup Academy, eines für bereits gewachsene Startups. Es wird in Kooperation mit dem Accelerator TechStars aus den USA ausgerichtet. Geplant sind ferner ein so genanntes Lab, das im Juni 2015 öffnen soll. Auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern werden Arbeitsräume für Gründer entstehen. In Business Development Camps sollen sollen Startups und die mittelständische Wirtschaft die Möglichkeit erhalten, Kontakte zu knüpfen.

Weiterer Blogbeitrag über die Gründung des GTEC

Tags: ·····

Keine Kommentare ↓

Kommentare sind leider deaktiviert.