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Insolvenz von Simfy wirft Fragen auf

10. Mai 2015 · Keine Kommentare · Allgemein
Nach der Insolvenz von Simfy wird Nutzern der Wechsel zu Deezer angeboten
Gratis-App Mooval ermöglicht den Export von Playlists

headphone_girl2Schon seit längerem sah es nicht gut aus um den Musikstreamingdienst Simfy. Zwei Jahre ist es her, dass das Unternehmen wortreich erklärte, dass es sich auf das Deutschland-Geschäft konzentrieren und im deutschsprachigen Raum Nummer eins werden wolle. Ein weiterer herber Schlag folgte im Februar 2015, als  das Musiklabel Warner dem Dienst seine Titel entzog.

Im April 2015 stand im Bundesanzeiger, die Simfy AG sei aufgelöst. Gläubiger sollten sich melden. Auf der Website heißt es wortkarg: „Ab dem 1. Mai 2015 wird Simfy nur noch eine stark eingeschränkte Anzahl von Songs anbieten.“

Informationspolitik verärgert Simfy-Kunden

Unterdessen schimpfen Kunden auf der Facebook-Seite des Unternehmens über die Informationspolitik der insolventen Firma. Der Monatsbeitrag sei ohne Gegenleistung abgebucht worden. Eine Kündigung per Mail oder Fax sei nicht möglich, heißt es in den Facebook-Kommentaren.

Ein geteiltes Echo findet dort das Angebot an die Kunden, zum Dienst des früheren Mitbewerbers Deezer zu wechseln. Dieser 2007 in Frankreich gegründet Musikdienst bietet seinen Kunden 35 Millionen Songs von 2000 Labels, hat nach eigenen Angaben sechs Millionen zahlende Kunden und 16 Millionen aktive Nutzer in 180 Ländern. Deezer spricht in einem Beitrag des Unternehmensblog von einer neuen Partnerschaft, um das gemeinsame „Know-how in puncto Streaming-Technologie und Content-Kuration“ zu kombinieren.

Deezer mit 15 Millionen zahlenden Kunden

Deezer baut damit zwar seine Position im globalen Wettbewerb aus, ist aber noch deutlich von Marktführer Spotify entfernt. Die Schweden haben 15 Millionen zahlende und 60 Millionen-Gratis-Kunden. Sie wurden von Investoren mit mehr als 500 Millionen Dollar ausgestattet, damit sie sich auf dem Weltmarkt behaupten können. Deezer hat dafür knapp 150 Millionen Dollar zur Verfügung, Simfy hatte 23 Millionen für die Entwicklung seines Geschäftsmodells (Quelle: CrunchBase).

Im Sommer 2014 hat Deezer bereits seinen Mitbewerber Ampya geschluckt, der zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehörte. Dessen Konzept, eine Mischung aus Musikmagazin und Streamingdienst, war nicht aufgegangen.

Vergänglichkeit von Cloud-Daten

Der Abgang von Simfy ist alles andere als stilvoll: Die Kunden stehen schlecht informiert im Regen, das Management ist anscheinend auf Tauchstation. Diese Pleite ist aber auch ein Lehrstück über die Vergänglichkeit von Daten in der Internetwolke. Dabei geht es nicht um die Musik, denn die war nur geliehen. Vielmehr stellt sich die Frage was aus den vielen Tausend Playlists wird, die Nutzer auf der Cloud-Plattform angelegt und gespeichert haben.

Erwartungsgemäß hat das Internet aber auch dafür eine Lösung. Ein Webentwickler-Team aus Stuttgart bietet hier Abhilfe. Die Programmierer von Panda haben unter mooval.de ein kostenfreies Programm entwickelt, mit dem Simfy-Nutzer ihre Playlists zu Deezer exportieren können. Wie es heißt, sollen dafür nur wenige Schritte erforderlich sein.

Diese neue Plattfrom erfreut sich anscheinend großer Beliebtheit. Wie die Entwickler auf Twitter schreiben, wurden drei Tage nach dem Start bereits mehr als eine Million Titel migriert.

Links:

Simfys Konzentration auf das Deutschland-Geschäft

Wie Spotify den Musikmarkt erobert

 

 

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