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Die Welt der Berliner Start-ups

Frühstücksfernsehen mit Periscope

29. März 2015 · Keine Kommentare · Allgemein

device_viewingEigentlich sollte an dieser Stelle ein Text darüber erscheinen, was die mittelständische Wirtschaft von Startups lernen kann. Der Zukunftsforscher Nick Sohnemann, den ich vergangene Woche getroffen habe, möge mit den Themenwechsel verzeihen. Aber auch hier geht es um Zukunft – die Zukunft der Nachrichten und der Unterhaltung.

Ich war nämlich im Fernsehen. Nur kurz. Aber immerhin. Beim Sonntagsfrühstück erwähnte ich einen Blogbeitrag von Richard Gutjahr über die neue Videostreaming-App Periscope, die mein Gegenüber sofort installierte und dann die iPhone-Kamera auf mich richtete. Normalerweise sind Facebook- und andere Postings aus meinem privaten Umfeld für mich tabu. Umso irritierter war ich, als ich mich selbst auf dem iPad sah, das ich in den Händen hielt.

Periscope sendet live ins Netz

Periscope ist eine App, mit der Nutzer von Apples iPhone (oder iPad) mit einem Klick Videos während des Filmens live ins Netz senden können. Sie sind für jeden Nutzer der App in Echtzeit sichtbar. Vermutlich werden aber nur Menschen auf sie aufmerksam, die Twitter nutzen. Denn nur dort werden diese Nachrichten geteilt. Twitter ist sozusagen die Sprachrohr von Periscope, was nicht wundert, wenn man weiß, dass Periscope von Twitter gekauft wurde.

Die App ist denkbar einfach: Die Anmeldung erfolgt mit den Twitter-Zugangsdaten. Anschließend wird dem Neuzugang empfohlen, die Periscope-Nutzer zu abonnieren, denen man bei Twitter folgt. Ist einer von ihnen gerade online, sieht man das in der App oder im eigenen Nachrichtenstrom auf Twitter. Diese Videos sind ausschließlich in Echtzeit zu sehen, sie werden also nicht (wie bei YouTube) auf einem Server gespeichert. Zum Senden eines Videos genügt es, in der Periscope-App Kamera, Mikrofon und den eigenen Ort freizugeben, dem Stream einen Titel zu geben und auf einen Sendeknopf zu tippen.

Videstreaming wird Tech-Trend des Jahres

Video-Livestreams werden der Tech-Trend des Jahres 2015 sein. Wie so oft entdeckten Jugendliche den Trend als erste. Im Winter war die Teenie-App YouNow in den Schlagzeilen, Ende Februar kam Meerkat – und jetzt Periscope, das unter Techies, Werbe- und Medienleuten binnen wenigen Tagen zum Lieblingsspielzeug wurde.

Beschleuninger dieser Entwicklung war die App Meerkat, die Periscope die Schau gestohlen hat. Periscope gab es zwar schon, aber nur in einer geschlossenen Betaversion. Meerkat wurde strategisch klug kurz vor dem Tech-Festival SXSW im März im texanischen Austin auf den Markt geworfen, wo Meerkat schnell zum „Hot Shit“ wurde. Hipster und Nerds liefen mit ihren iPhones durch Austin und filmten sich gegenseitig mit verwackelten Bildern und ruckeligen Szenen, weil das Datennetz dem Ansturm der Megabytes nicht standhielt.

Dass Twitter der Meerkat-App angesichts dieses Hypes den Zugang zu drehte, wundert nicht. Seitdem hat Meerkat nur noch einen sehr eingeschränkten Zugang zu Twitter-Nutzerdaten. Doch das schadete Meerkat nicht. Im Gegenteil: Die Zahl der Nutzer stieg explosionsartig auf mehrere Hunderttausend.

Internetnutzer werden Livereporter

Ende vergangener Woche legte nun Twitter nach und schaltete sein Periscope frei. Der Kurznachrichtendienst gibt damit seiner Videostrategie eine neue Dimension: Der Sechs-Sekunden-Dienst Vine und „Video auf Twitter“ bieten Möglichkeiten, gespeicherte Inhalte zu teilen. Mit Periscope gibt es nun die Möglichkeit, bewegte Bilder live zu streamen.

Jeder Internetnutzer kann damit Livereporter eines Ereignisses zu werden und aktueller zu berichten als jeder professionelle Fernsehsender. Dies geschah in New York nur wenige Stunden, nachdem Periscope live ging, bloggt Gutjahr: Als dort ein Haus einstürzte, berichteten gleich mehrere Augenzeugen live per Periscope.

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