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Die Welt der Berliner Start-ups

Meerkat – Warum wir Videostreams brauchen

15. März 2015 · Keine Kommentare · Allgemein

IMG_0015Das Netz hat seinen neuen Hype: Live-Video. Einer filmt, das Netz schaut gleichzeitig zu. YouNow und Meerkat heißen die angesagten Online-Plattformen für iPhones. Bei der ersten kommt der Livestream vor allem aus Kinderzimmern. Bei der zweiten stehen überwiegend Techies vor und hinter der Kamera. Wer braucht die neuen Videokanäle?

Beide Apps besitzen eine ähnliche Mechanik: Sie sind simpel. Der Livestream startet auf Knopfdruck. Registrierte Nutzer können Kommentare abgeben und so eine Kommunikation mit dem Streamer starten. Beide Apps bedienen die gleichen Bedürfnisse: Sie bieten dem Broadcaster eine Bühne zur Selbstdarstellung. Und sie sind zugleich sozial, weil sie ihm die Gelegenheit bieten, andere an seiner Sicht der Welt teilhaben zu lassen und mit ihm in Kontakt zu treten.

Livestream aus dem Kinderzimmer

Bei YouNow sind es vor allem Teenager, die in ihren Kinderzimmern vor der WebCam posen und mehr oder weniger freizügig mit ihren Freunden chatten, was vor allem Daten- und Kinderschützer auf den Plan gerufen hat. Verbotsforderungen und Warnungen vor Pädophilen ließen nicht lange auf sich warten. Die Betreiber der Plattform geben sich mit einer Rund-um-die-Uhr-Moderation aber viel Mühe, nackte Haut von den Bildschirmen zu verbannen und spielen den Ball an die Eltern weiter, ihre Kinder über mögliche Gefahren im Internet aufzuklären.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Kritik wächst die Plattform in ihrer Nische rasant. Hier sind die Teenies unter sich – anders als bei Facebook, wo Oma und Opa mitlesen oder Instagram, wo auch Papa und Mama posten. Und hier können sie von einer Karriere als Streaming-Star träumen, von denen die Besten auf YouTube reich geworden sind oder wenigstens vom Anruf des Casting-Agenten einer Model-Show. Es werden pro Tag weltweit 100.000 Streams gesendet, die im Durchschnitt 30 Minuten lang sind und anscheinend immer beliebter werden. YouNow zählt zurzeit jeden Monat 100 Millionen Besuche. Der Durchschnittsnutzer sieht pro Woche zwei Stunden Live Stream an.

Meerkat mit 100.000 Nutzern

Meetkat ist davon meilenweit entfernt. Mitte März 2015 hatten sich gerade einmal 100.000 Netznutzer bei dem Streamingdienst registriert. Allerdings ist die Plattform auch erst einige Tage alt. Dennoch erreichen populäre Broadcaster schon erstaunliche Reichweiten. Den Stream des Kult-Videoblogger Gary Vaynerchuk etwa sahen in der Nacht zu Sonntag mehr als 1400 Zuschauer. Sie saßen in aller Welt an ihren iPhones und beobachteten ihn, wie er bei dem Internetfestival SXSW in Austin (USA) einen Vortrag hielt, danach Interviews gab, sich mit Fans unterhielt und über die Messe ging. „Das ist besser, als selbst dabei zu sein“, kommentierte ein Zuschauer das ungeschnittene, zum Teil verwackelte Video mit mäßiger Tonqualität.

Dabei zu sein, ist das entscheidende. Die neuen Video-Apps bedienen die gleichen Bedürfnisse wie das Reality-Fernsehen. Was sie aber von Dschungelcamp, Big Brother und Newtopia unterscheidet: Es gibt keinen Schnitt und es gibt kein Drehbuch. Wer ein Smartphone besitzt, hat auch ein Kamera und damit die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge zu zeigen. Insofern demokratisiert Livestream die Welt der Nachrichten und der Unterhaltung.

Warum Twitter selber Video machen will

Genau wie es bei Twitter war, dem Erfinder des Echtzeitweb. Der Kurznachrichtendienst schaffte seinen Durchbruch im Jahr 2007 auf der SXSW. Ihm ist es aber nie gelungen, wie Facebook in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Acht Jahre danach ist in Austin Meerkat zu seinem Siegeszug angetreten – um eine Art Twitter für Video zu werden. Twitter, das mit seinem gekauften Startup Periscope selbst Video machen will, passt das nicht und hat Meerkat deshalb den Datenhahn zugedreht. Doch das macht den Videodienst nur noch populärer. Für Twitter dürfte Video die letzte Chance sein, sich aus der Nutzerblase aus Netzaktivisten, Promis, Werbe- und Medienleuten zu befreien.

Am Ende dauert das Schreiben dieser Blogbeitrags dann doch länger als erwartet. Zwischendurch meldet sich das iPad mit der Nachricht, dass Dennis Crowley, dem ich auf Twitter folge, Live ist. Der Foursquare-Gründer läuft einen Halbmarathon in New York. Die Bilder sind verwackelt, das Netz ist schlecht. Das Video ruckelt. Aber ich bin zumindest virtuell dabei. Und das Video lenkt mich ab. So geht Meerkat.

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