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Die Welt der Berliner Start-ups

Airfy: Gratis-WLAN für Berlin in Sicht

5. Januar 2015 · Keine Kommentare · Allgemein

DSC_0087Berlin ist als Offline-Metropole berühmt und es gibt kein flächendeckendes öffentliches Gratis-WLAN. Während in Hamburg sogar Fahrgäste einzelner städtischer Buslinien gratis im Internet surfen können, müssen Berliner sich umständlich in kostenfreie Drahtlosnetze einloggen, falls es überhaupt welche gibt. Oft nur für eine halbe Stunde, mit unklaren Sicherheitsstandards oder dem Zwang, die Seite auf Facebook mit „Gefällt mir“ zu markieren. Ansonsten heißt es bezahlen. Geht es nach dem Kreuzberger Start-up Airfy, könnte sich das bald ändern. Airfy rechnet sich gute Chancen aus, in Berlin ein stadtweites öffentliches WLAN-Netz aufbauen zu können.

„Wir haben eine gute Expertise und verfügen über zehn Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet und werden unser Konzept Ende Januar der Senatskanzlei präsentieren“, sagt Steffen Siewert, einer der vier Unternehmensgründer. Siewert plant ein werbefinanziertes Funknetz ohne Zeitlimit, mit Sicherheit wie Zuhause (WPA2-Standard) und ohne komplizierte Anmeldung.

Sicheres und anonymes Gratis-WLAN

Airfy stattet bislang vor allem Hotels, Ferienwohnungen und die Gastromie mit kostenfreien Funknetzen aus. Dabei gibt Airfy den Betreibern außer dem schnellen Zugang zum weltweiten Netz (Siewert: „In vier Sekunden ist man online“) vor allem Rechtssicherheit und schützt sie vor Abmahnanwälten, die das Angebot illegaler Downloads ahnden. Dazu bedient sich Airfy eines legalen Tricks. „Wir sind bei der Bundesnetzagentur als Internetprovider registriert und müssen laut Telekommunikationsgesetz Abmahnanwälten keine Auskunft geben“, erklärt Siewert.

Technisch wird das Abmahn-Problem mit einer verschlüsselten Datenleitung gelöst. Dieser so genannte VPN-Tunnel verbindet den WLAN-Router im Hotel oder Café und dem Server von Airfy. So bleibt der Internetnutzer beim Surfen anonym.

Airfy bietet stylischen Router

Solche gewerblichen WiFi-Netzwerke bietet Airfy für eine Jahresgebühr ab 99 Euro an, die der Gastronom oder Hotelier bezahlt. Der Internetzugang ist werbefinanziert: Bevor ein Nutzer ins Netz geht, sieht er ein kommerzielles Video – ähnlich wie das auch bei YouTube funktioniert. Für 299 Euro gibt es diesen Zugang werbefrei beziehungsweise mit der Option für den WLAN-Anbieter, auf der Startseite eigene Werbung zu platzieren.

Demnächst will Airfy diese Technologie auch Privatkunden anbieten. Dazu haben Designer einen Router mit farbigen LED-Leuchtflächen entwickelt, die sich zum Beispiel als Alarm für neue Nachrichten in sozialen Netzwerken programmieren lassen. „Vor allem Eltern dürften das neue Angebot begrüßen, die sich bei diesem Thema oft verloren fühlen“, sagt Siewert. Sie können dann auch per App den Zugangsrechte ihres Nachwuchses im Netz filtern und auch Downloads sperren.

Hotspots in öffentlichen Gebäuden

Ein weiteres Zukunftsprojekt ist das berlinweite WLAN mit Internet-Routern in mehreren Hundert öffentlichen Gebäuden innerhalb des S-Bahn-Rings. Airfy will das für den Nutzer kostenfreie Projekt mit ortsbezogener Werbung finanzieren. „Das öffnet ganz neue Möglichkeiten, Stadtmarketing zu betreiben“, sagt Siewert. Denkbar seien ein Startbildschirm in der Art der Gelben Seiten mit Skip-Option sowie die Möglichkeit eines passwortgeschützten Zugangs mit WPA2-Verchlüsselung.

WLAN-Lösungen für die vernetzte Wohnung (Smart Home) will Airfy in Zukunft anbieten. Ferner sind in Kooperation mit dem Finanztechnologie-Startup Orderbird. Airfy liefert den Router für das WiFi im Lokal und die bargeldlose Bezahldienstleistung per App.

Das im Oktober 2013 gegründete Unternehmen hat inzwischen 15 Mitarbeiter und eine Million Nutzer monatlich. Es rüstete bereits das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig mit 50 WLAN-Systemen aus. Die Geräte sind an Ampeln montiert und werden zum drahtlosen Datenaustausch für ein Groß-Forschungsnetzwerk der Automobilindustrie und des DLR genutzt.

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