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Die Welt der Berliner Start-ups

Beacons, die neue Wunderwaffe der Werbewirtschaft

29. Juni 2014 · 1 Kommentar · Allgemein
iBeacon-Sensoren von Sensorberg

iBeacon-Sensoren von Sensorberg

Ein Kunde schlendert die Einkaufsstraße entlang. Sein Smartphone meldet mit einem „Pling“ eine Push-Nachricht über ein Sonderangebot des Ladens, vor dem er gerade steht. Das ist keine Zauberei, sondern ein Beispiel für die Hype-Technologie iBeacon, die momentan die Werbewirtschaft elektrisiert.

Beacons sind kleine Bluetooth-Sender, die immerzu ihre digitale Kennung (ID) senden. Sie kann von fast jedem neueren Smartphone empfangen werden. Erforderlich ist eine entsprechend programmierte App auf dem Gerät. Sie meldet via Internet einem Server die Beacon-ID und die gespeicherten Daten des Smartphone-Nutzers. Der Server schickt in Bruchteilen von Sekunden eine personalisierte Botschaft zurück auf den Bildschirm des Smartphones.

 Werbewirtschaft erkennt Spam-Gefahr

Noch nie war es für Werber so einfach, Kunden anzusprechen. Und noch nie war für Verbraucher die Gefahr so groß, von einer Spam-Lawine auf seinem Smartphone überrollt zu werden – vorausgesetzt sie nutzen entsprechend programmierte Apps und haben in den Einstellungen des Mobiltelefons Bluetooth sowie die Hintergrundaktualisierung aktiviert.

 

Ob die neue Technologie – übrigens eine Erfindung von Apple – ein Erfolg wird, ist deshalb fraglich. Experten diskutierten beim ersten Berliner Beacon-Gipfel Chancen und Risiken und lernten Szenarien für die Technologie kennen – hier einige Beispiele.

Mit Orderbird automatisch Bezahlen

Der Gast kommt ins Café und checkt mit der App des Online-Kassensystems Orderbird ein, auf der seine Kontodaten gespeichert sind. Er bestellt einen Latte, trinkt ihn aus und geht. Das ist keine Zechprellerei, sondern die Hype-Technologie iBeacon. Der Rechnungsbetrag wird automatisch vom Kundenkonto abgebucht. Der Beacon steckt im Wlan-Router des Start-ups Airfy, mit dem Orderbird kooperiert.

Benjamin Thym, der Geschäftsführer des Start-ups Barcoo, hat seine Verbraucher-App mit 15 Milllionen Installationen Beacon-fähig gemacht. 100 Geschäfte hat er bereits mit den Sendern ausgestattet, demnächst kommt eine Supermarktkette dazu. Thym warnt: „Wir dürfen Leute nicht zuspammen, die durch die Fußgängerzone gehen. Sonst deinstallieren sie die App.“ Man könne aber guten Werbekampagnen einen Mehrwert geben, wenn man dem Kunden zeitversetzt Nachrichten aufs Smartphone sendet: „Sie standen heute im Supermarkt am Weinregal. Hier sind unsere neuen Sonderangebote.“ So könne das Einkaufserlebnis aufgepeppt werden, meint Thym.

Kredit-Angebote von der Sparkasse

Das Sparkassen-Finanzportal will als einer der ersten Beacons einsetzen, wie Marco Massier erklärt: als Willkommensgruß in einer Filiale, für personalisierte Angebote oder bei Immobilienangeboten. Immobilienangebote im Schaukasten einer Sparkasse könnten direkt aufs Smartphone gesendet werden, wenn in der Nähe ein Beacon montiert ist. Voraussetzung ist, dass der Kunde eine entsprechend ausgerüstete Sparkassen-App installiert und Bluetooth sowie Ortungsdienste aktiviert hat.

 

Florian Resatsch vom Werbeunternehmen Ströer Mobile Media will Beacons in Plakatwände einbauen und damit vorbeikommende Passanten ansprechen. „Wir wollen die Infrastruktur bieten, auf der man Kampagnen schalten kann“, sagt er.

 Mit Beacons in Gebäuden navigieren

Das Start-up „Mobile Event Guide“ will Beacons bei Messen einsetzen. Besucher, die an einem Stand vorbeigehen, könnten direkt angesprochen werden. Auch Indoor-Navigation wäre möglich. Das Besucherverhalten auf Messen könnte analysiert werden. „Messeveranstalter haben davor Angst, wenn berechenbar wird, ob sich ihre Messe lohnt“, sagte ein Vertreter des Unternehmens.

Auf Navigation in Räumen, wo es häufig weder GPS- noch starke Mobilfunksignale gibt, hat sich das Unternehmen Indoo.rs spezialisiert. Apps mit Gebäudeplänen könnten Mitarbeiter in den richtigen Konferenzraum führen und ihnen dort Dokumente für das Meeting aufs Tablet streamen.

 Wie Apple Beacons unterstützt

Um dieser neuen Technologie zum Durchbruch zu verhelfen, wird es erforderlich sein Wertschöpfungsketten zu bilden. „Wie bekommt man den Benutzer dazu, die erforderlichen Apps zu installieren“, fragte ein Besucher des Summit. Da könnte Apple mit seinem neuen Betriebssystem iOS8 weiterhelfen, das nach Angaben des Branchendiensts Apple Insider den iPhone-Nutzer automatisch auffordert, die App des Geschäfts zu installieren, vor dem er gerade steht  allerdings mit Opt-out-Funktion. Auch Apple scheint sich der Spam-Gefahr bewusst zu sein.

 

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Ein Kommentar ↓

  • Björn Dorra

    Im Grunde genommen eine tolle Sache. Jedoch bin ich skeptisch, daß in den nächsten zwei Jahren es Standard wird, daß sich Konsumenten extra Apps dafür installieren.

    Zuerst muss wohl der App Push kommen: „Wollen Sie die Esprit-App installieren?“

    – Björn Dorra, Founder http: //netzaktiv.de