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Die Welt der Berliner Start-ups

Europa braucht Exits für 500 Millionen Euro

15. Juni 2014 · Keine Kommentare · Allgemein

Die europäische Wagniskapitalszene braucht in den nächsten Jahren Exits in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro. Sonst wird sie nicht überleben. Das sagte Christian Nagel, Mitgründer des Venture-Capital-Unternehmens Earlybird, bei den Portfolio-Tagen des Telekom-Inkubators Hubraum. Earlybird hat unter anderem in die Berliner Fotoplattform EyeEm, die Fußball-App Onefootball, den Aufgabenplaner Wunderlist und in das Kunstauktionsportal Auctionata investiert.

Ein Gründerfonds für wachsende Unternehmen

Dabei sind die Voraussetzungen für Europas Startup-Szene gar nicht mal schlecht. Die Kosten für den Start eines neuen Unternehmens seien in den vergangenen Jahren von 1,5 Millionen auf 500.000 Euro gesunken – unter anderem durch Cloud Computing. Nagel sieht auch geringe Probleme bei der Anschubfinanzierung (Seed-Runde) von Start-ups. „Das Problem ist die A-Runde.“ Hier solle sich der Staat stärker engagieren und nach dem Vorbild des Hightech-Gründerfonds (HTGF) auch Unternehmen in der Wachstumsphase unterstützen.

Als positiv bewertet Nagel, dass in Europa eine neue Klassen von Firmen entstanden sei, die das Potenzial hätten, zu globalen Unternehmen heranzuwachsen. Hier spiele Berlin eine Schlüsselrolle, sagte der Investor. Als Beispiele nannte er unter anderem die Onlinehändler Home24 und Zalando, den Spieleentwickler Wooga, SoundCloud und  Onefootball.

Automatisierung des Wohnens

Nagel beschrieb einige technologische Felder, in denen er in den nächsten Jahren Wachstumspotenziale sieht. Als erstes nannte er die Automatisierung von Wohnungen, die mit preiswerten Geräten den Massenmarkt erreichen werde.

Programme im Gesundheitsbereich seien von Gimmicks zu ernsthaften Anwendungsfällen geworden. Sie erlauben die effektive Diagnose und die Überwachung von Patienten. Mit dem Internet verbundene Sensoren, so Nagel, würden in de Zukunft zu einer noch viel größeren Veränderung beitragen. Internetgeräte würden herkömmliche medizinische Apparate ersetzen.

Wo Earlybird digitale Revolutionen sieht

Auch den Erziehungsbereich sollte man im Blick behalten. Nagel geht davon aus, dass es große Veränderungen im Bereich der Bildung geben wird. „Das Geschäft mit Schulbüchern wird sich total verändern.“

Veränderungen sieht er auch im Bereich der Finanzdienstleistungen und des Handels, der von mobilen Anwendungen – beispielsweise neuartige Kassensysteme – bestimmt werde.

Investor Christian Nagel: „Think big!“

Nagel riet Gründern, nachhaltige Geschäfte mit Wachstumsperspektiven aufzubauen und nicht Strategien zu entwickeln, die nur auf den schnellen Verkauf einer Geschäftsidee zielen. Das wichtigste ist aus seiner Sicht ein globaler Ansatz („Think big“) mit einem großen Markt, einer konkurrenzfähigen Idee und einer hohen Gewinnspanne.

Er räumte ein, dass es in Europa bislang nicht viele Exits (Unternehmensverkäufe) gegeben habe. Dabei müsse man aber berücksichtigen, dass die Start-up-Szene in Europa erst 2005 bis 2006 entstanden sei.

Investoren brauchen langen Atem

Eine gewisse Skepsis zeigt Nagel bei der Frage, ob traditionelle Unternehmen in das Start-up-Geschäft einsteigen sollten. „Es ist gut, wenn Unternehmen Geld in das Ökosystem stecken und wahrnehmen, was auf dem Gebiet der Innovationen geschieht.“ Sie sollten sich aber bewusst sein, dass man hier einen langen Atem und finanzielles Potenzial braucht, weil Erfolge sich nicht schnell einstellen. Deshalb würden einige dieser „Corporate Incubators“ wieder verschwinden.

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