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Die Welt der Berliner Start-ups

Wie Seedrs Crowdfunding neu erfinden will

8. Mai 2014 · Keine Kommentare · Allgemein
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Jeff Lynn (rechts) bringt Seedrs nach Deutschland. Jessica White (VibeWrite) sammelt Kapital bei Seedmatch. Garan Goodman (links) leitet den deutschen Wayra-Accelerator.
©Jürgen Stüber

Neue Konkurrenz für Bergfürst, Seedmatch und Companisto: Seedrs, eine neue Crowdfundingplattform aus London und Lissabon, will künftig auch verstärkt deutsche Startups finanzieren.  Investoren erwerben bei Seedrs – ähnlich wie bei Bergfürst – echte Unternehmensanteile und nicht nur stille Beteiligungen wie bei Seedmatch und den anderen Plattformen.

Der CEO des Unternehmens, Jeff Lynn, stellte sein Konzept in Berlin vor. „Wir expandieren jetzt nach ganz Europa“, sagte er. Insgesamt wurden seit der Gründung im Juli 2012 fast  100 Runden mit einem Gesamtvolumen von knapp elf Millionen Euro abgeschlossen. Zuletzt endete im Februar eine Finanzierungsrunde für das eigene Unternehmen in Höhe von mehr als drei Millionen Euro. Damit stellte Seedrs einen neuen Crowdinvestment-Rekord auf.

Anschlussfinanzierungen von Passion und Co.

„Die von uns finanzierten Unternehmen haben im Anschluss Kapital von Venture-Capital-Firmen wie Balderton, Passion und BDMI [VC Arm der Bertelsmann] erhalten und wurden in Accelerator-Programme wie Seedcamp, Startupbootcamp und Wayra [Telefonica] aufgenommen“, sagte Lynn.

Weiter sagte er, Seedrs besitze eine Lizenz der britischen Finanzaufsicht FCA (Financial Conduct Authority). Eine gesonderte Erlaubnis der deutschen Finanzaufsicht Bafin sei nicht erforderlich. „Unsere Aktivitäten finden in Großbritannien statt und stehen unter britischem Recht. Ungeachtet dessen, können Investoren und Unternehmen von überall in Europa kommen.“

Seedrs – Vision von paneuropäischem Startup-Hub

Lynn träumnt von einer europäischen Startup-Szene. „In drei bis fünf Jahren werden wie einen paneuropäischen Startup-Hub haben, in dem jeder lokale Hub seine eigene Art von Kreativität einbringt. Der ganze Kontinent wird voller Hubs sein.“ Auf diese Weise könnte sich Europa mittelfristig als Gegengewicht zum Silicon Valley positionieren.

Dort könnte der Amerikaner Lynn sein Konzept übrigens nicht umsetzen. Denn das US-Recht verbietet den Erwerb von Unternehmensanteilen durch Crowdfunding. Das würde Lynn gerne ändern. Bei einer Anhörung des Finanzausschuss des US-Kongresses sprach er sich für die Änderung dieser Rechtslage aus.

Deutsche sollen mehr riskieren

Zur besonderen Situation in Deutschland sagte er: „Deutsche haben ein anderes Verhältnis zum Risiko und zum Scheitern.“ Er riet deutschen Gründern und Investoren, sich auf das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg zu besinnen. „Damals haben die Deutschen ein Risiko gewagt und waren erfolgreich – vielleicht weil sie nichts zu verlieren hatten.“

Anlässlich des europäischen Seedrs-Launchs stellte sich auch der neue Direktor des deutschen Wayra-Accelerators in Berlin vor: Garan Goodmann. Ähnlich wie die Deutsche Telekom (Hubraum) investiert auch die Telefonica (O2) in junge Entrepreneure. Die Acceleratorprogramm dauern sechs bis neun Monate. Startups erhalten 40.000 Euro in Bar und Dienstleistungen im Wert von 20.000 Euro. Dafür müssen sie zwischen sieben und 15 Prozent ihrer Unternehmensanteile abgeben. Wayra betreibt weltweit 14 Startup-Akademien.

Erfolgsstory VibeWrite

„Wir sind an Produkten interessiert, die wir global als Telefonica verkaufen können“, sagte Goodman. Als besonderes Beispiel nannte er das Startup VibeWrite, das ursprünglich Lernstift hieß. Die Gründer, die zur Zeit bei Seedmatch Kapital sammeln, haben einen intelligenten Schreibstift erfunden. Er vibriert, wenn der Schreibende einen Fehler macht. Innerhalb weniger Tage haben Investoren mehr als 200.000 Euro Kapital bereit gestellt.

Wayra hat seine deutsche Filiale in München. Und das soll auch so bleiben. „Berlin steht für Innovation, Design und Kreativität, München für Ingenieurswesen“, sagt Goodmann.

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