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Die Welt der Berliner Start-ups

Video-App Taptalk – Nachrichten in zehn Sekunden

4. Mai 2014 · Keine Kommentare · Allgemein
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Taptalk-Gründer Onno Faber zeigt die App
©Jürgen Stüber

Der Wettbewerb ist hart – sehr hart. Da hatte Taptalk, ein kleines Berliner Start-up aus der Factory, gerade einen Videomessenger entwickelt. Und dann kommt die App Snapchat mit einem Update um die Ecke: Die Kult-Plattform für Teenager kann künftig auch Text- und Videochat. Schlecht für TapTalk. Doch die Berliner können mit Design, Funktionalität und Privatsphäre punkten.

Taptalk-Nachrichten werden gesendet, indem man das Thumbnail-Foto eines Empfängers in der Freundesliste der App berührt. Jeder Freund wird auf der Startseite der App mit einer Kachel gezeigt, auf der sein Profilfoto zu sehen ist.

Nur eine Aufnahme

Bild und Ton werden so lange aufgezeichnet, wie der Finger auf dem Display liegt. Ein roter Balken am oberen Bildschirmrand zeigt die Länge der Aufnahme an. Wird der Finger vom Gerät genommen oder sind zehn Sekunden um, wird die Nachricht gesendet – so wie sie ist.

Der Empfänger sieht auf seinem Bildschirm in der oberen Hälfte die Videonachricht. Eine Karte in der unteren Hälfte des Bildschirms zeigt, wo das Video aufgenommen wurde.

Konzentration auf Basisfunktionen

Taptalk ist eine minimalistische App, die weitgehend ohne Schaltflächen auskommt. Es gibt ja auch fast nichts einzustellen. Als Sendeknopf dient das Empfänger-Thumbnail. Durch Berühren des Bildschirms kann zwischen Front- und Rückkamera gewechselt werden und mit einem Klick auf die Bildschirmecke lässt sich die Übertragung der Geodaten ausschalten. Ein Doppelklick öffnet einen Texteditor, mit dem zusätzlich zum Bild ein paar Worte gesendet werden können. Das wars. Keine Filter, keine Einstellungen. „Spontan sein und die Kommunikation authentischer machen“, will Gründer Onno Faber.

Taptalk kommt ohne Filter aus

Die App soll nicht nur einfach sein, sondern auch schnell. Die Gründer wollten keinen weiteren Selfie-Automaten entwickeln, der durchgestylte Bilder ins Netz stellt, sondern ein Tool, das direkte Kommunikation ermöglicht. Deshalb wurde auf Filter und andere Werkzeuge zur Bearbeitung der Aufnahmen verzichtet. Läuft die Kamera, gibt es kein Zurück mehr. Kommunikation soll auf Taptalk wie im echten Leben funktionieren. Gesagt ist Gesagt. Dazu gehört auch, dass ein Video oder Foto – wie bei Snapchat – nur einmal angesehen werden kann.

Taptalk ist eine Weiterentwicklung der vor einem Jahr vom gleichen Team entwickelten Nachrichten-App DingDong, bei der Geolocation stärker im Mittelpunkt stand. Diesen Aspekt haben Onno Faber und sein Team jetzt zurückgestuft, weil sich herausgestellt hat, dass Nutzer nicht bei jedem Posting ihren Ort preisgeben wollen. Im gesamten Social Web hat die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, dass Geolocationdienste im Grunde nur dann funktionieren, wenn sie für den Nutzer einen direkten Mehrwert bieten – wie etwa bei Tripadvior, Yelp und Foursquare.

Kommunikation zwischen Freunden

Taptalk ist Kommunikation zwischen Freunden – von Nutzer zu Nutzer. Die Gründer wollen keine Broadcasting-Plattform wie Twitter oder Facebook bauen. Jedes Video ist einzigartig und hat nur einen einzigen Adressaten. Das soll auch so bleiben, denn nur Unikate haben nach der Philosophie der Taptalk-Gründer Wert.

Taptalk geht mit den Daten seiner Nutzer behutsamer um, als andere Messenger-Apps. Im Gegensatz zu Snapchat wird kein Adressbuch gescannt (diese Daten sind der Preis, den Snapchat-Nutzer zahlen), um Freunde zu finden, und es muss auch keine Telefonnummer übermittelt werden. Taptalk gibt sich mit einer Mailadresse zufrieden. Das hat aber den Nachteil, dass der Aufbau des eigenen Netzwerk mühsam ist. Man lädt Interessenten per Mail oder SMS ein oder gibt ihren Nutzernamen ein, falls man ihn kennt.

Android-App in Arbeit

Taptalk steht am Anfang. Die Beta-Version der iPhone-App ist auf dem Markt. Zunächst steht die Entwicklung einer Android-App im Mittelpunkt.

Es wir ein ungleicher Wettkampf: Snapchat hat seit der Gründung vor drei Jahren mehr als 120 Millionen US-Dollar Wagniskapital erhalten. Taptalk hat eine Seedrunde unbekannten Volumens hinter sich.

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