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Die Welt der Berliner Start-ups

Wie Jovoto zum Erfolgsmodell wurde

4. Januar 2014 · Keine Kommentare · Allgemein

Bildschirmfoto 2014-01-04 um 15.49.17Wie lange ist ein Start-up ein Start-up? Kaum ein Begriff aus dem Standardvokabular der Gründerszene ist so unscharf wie dieser und wird oft so missverständlich verwendet. Ist auch ein Einzelhändler ein Start-up? Können nur Erfindungen mit einer Beziehung zu Web und Informationstechnologie ein Start-ups sein? Sind nur junge Unternehmen Start-ups und wenn ja, wie lange? Der Versuch einer Definition.

Dieser Tage diskutierte ich mit Bastian Unterberg über diese Frage: Er gründete das Start-up Jovoto im Jahr 2007 und ging mit der Plattform nach einer Entwicklungsphase 2008 an den Markt. Sein Konzept: Die Crowd löst kreative Design-Aufgaben für Marken. Jovoto versteht sich als Marktplatz für kreative Projekte.

Unterberg und sein Team haben Jovoto zu einem profitablen Unternehmen gemacht. Damit sieht der Gründer seine Plattform aus nicht mehr als Start-up. Er bezieht sich dabei auf den Serienerfinder und Hochschullehrer an der Stanford University, Steve Blank. Dieser definiert ein Start-up als Unternehmen, das ein reproduzierbares und vergrößerbares (in Start-up-Sprache: skalierbares) Geschäftsmodell sucht. Ist dieses gefunden, verwandelt sich das Unternehmen und der Vollzug dieses Geschäftsmodells rückt in den Mittelpunkt. Die Firma ist damit kein Start-up mehr.

Markt entdeckt das Crowdsourcing

Genauso war es bei Jovoto. „Wir sind viel zu früh gestartet“, blickt Unterberg zurück. Vor 2010 galt Crowdsourcing verbreitet als spinnerte Beschäftigung für Internet-Nerds. Wenn ein Unternehmen eine Idee entwickeln wollte, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Basta! Der Gedanke, eine Idee durch kommunikative Prozesse in einer Masse zu entwickeln, hatte sich nicht durchgesetzt. Nur langsam tasteten sich Unternehmen an diese Methode heran. Jovoto erhielt kleine Testbudgets für Designprojekte. Und schließlich kamen die Unternehmen wieder. „Der Markt bewegt sich in unsere Richtung“, sagt der Gründer.

Das belegen Zahlen des Unternehmens: 2013 wurden 8000 Ideen auf der Plattform formuliert, die in 37.000 Versionen überarbeitet wurden. Die Zahl der Community-Mitglieder stieg um ein Drittel auf 54.000. Kreative Designer verkauften 62 Prozent mehr Ideen als im Jahr zuvor. Mehr als 80 Prozent der Projekte führten zu Lizenzverträgen. Die Zahl der Anfragen stieg um 80 Prozent. Jedes zweite Projekt beinhaltete eine Designaufgabe. Die Jovoto-Community ist meinungsfreudig: Auf der Plattform wurden 170.000 Kommentare verfasst und 350.000 Ergebnisse bewertet.

Herausragende Design-Projekte waren ein Schweizer Armeemesser, ein Kaffeeautomat, ein Harley-Davidson-Motorrad, die Tankstelle der Zukunft, eine Business Lounge.

Jovoto will den Crowdstorm entfachen

Jovoto versteht sich als Marktplatz für kreative Projekte, bei denen Crowdsourcing und Brainstorming zu einem Chrowdstorm werden. So heißt auch das Buch, in dem Unterberg zusammen mit Shaun Abrahamson und Peter Ryder seine Gründererfahrungen zusammenfasst (Amazon-Link). Crowdstorming setzt sich aus Crowdsourcing und Brainstorming zusammen – also eine kollaborative Leistung durch kommunikative Ideenfindung in einer Gruppe.

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