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Die Welt der Berliner Start-ups

iPhone-App hilft Neurochirurgen bei Hirn-OP

23. September 2013 · Keine Kommentare · Allgemein

imageWer glaubt, die Branche der digitalen Start-ups sei die innovativste überhaupt, der irrt, wie ein Blick in die Statistik des Europäischen Patentamtes für das Jahr 2012 zeigt. Die digitale Kommunikation ist zwar die mit einem Plus von 20,4 Prozent die am schnellsten wachsende Branche. Die meisten europäischen Patente wurden im Branchensplit aber mit 10.412 im Bereich der Medizintechnik angemeldet. In den Bereich digitale Kommunikation fielen 9592 Patente (Platz 3), in den Bereich Computertechnologie 8288 (Platz vier). Elektrische Maschinen rangieren mit 9799 Patenten auf Platz zwei. Biotechnologie schließt die Top-Ten mit 5309 Patentanmeldungen ab.

Ein Beispiel für solche Hochtechnologie hat jetzt die Berliner Charité präsentiert: Für Neurochirurgen wurde eine Smartphone-App entwickelt, die bei der Planung und Durchführung einer Operation hilft. Bei Patienten, die unter einem Wasserkopf leiden, muss das überflüssige Hirnwasser mit Hilfe eines Katheders abgeleitet werden.

Mehr als 23.000 solcher Operationen finden nach Angaben der Charité jährlich in Deutschland statt. Ein Routineeingriff für Neurochirurgen, bei dem der Katheter in der Regel freihändig in der Hirnkammer platziert wird. Dies erfolgt aber nicht immer mit ausreichender Genauigkeit, was Revisionsoperationen nach sich ziehen kann.

App ermöglicht präzise Operationen

Privatdozent Dr. Ulrich Thomale vom Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie hat jetzt ein Führungsinstrument entwickelt, das mithilfe einer iPhone-App positioniert wird. „Jetzt ist es möglich, eine sehr viel höhere Genauigkeit bei der Platzierung des Katheters zu erzielen“, erklärt der Experte. Der Chirurg sieht sich vor der Operation nicht mehr nur die Aufnahmen des Magnetresonanz-Tomographen und es Computertomographen an, sondern plant mit Hilfe der App den Eingriff in wenigen Schritten.

Im ersten Schritt wird die Aufnahme des Kopfes in die App importiert. Danach kann der Operateur mit wenigen Fingertipps den Eintrittspunkt und die Lage der Katheterspitze festlegen. Die Software errechnet daraus den nötigen Winkel, der an dem Führungsinstrument eingestellt werden muss, so dass der Kathether zielgenau durch das Hirn zur Hirnkammer geführt werden kann.

Kooperation mit Potsdamer Medizinproduktehersteller

„Diese Entwicklung kann die Fehlerquote deutlich vermindern“, betont Thomale. Die App steht kostenfrei in Apples App Store zum Download zur Verfügung. Zehn deutsche Kliniken testen zur Zeit das Verfahren. „Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend“, teilt die Charité mit. Die App wurde gemeinsam mit dem Potsdamer Medizinproduktehersteller Miethke entwickelt.

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