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Die Welt der Berliner Start-ups

99designs: Crowdsourcing für Grafik-Designer

10. März 2013 · Keine Kommentare · Allgemein

Jedes Start-up braucht Logos – für das Unternehmen, für Visitenkarten, für Flyer und für Apps. Junge Unternehmen brauchen gestaltete Merchandising-Artikel, T-Shirts und Hoodies mit dem Firmenemblem – und eine Website, die gestaltet werden muss. Gründer sind auf Grafik-Designer genauso angewiesen wie auf Programmierer und Marketingexperten.

Patrick Llewellyn, CEO von 99designs, und Eva Missling, die Europa-Chefin des Unternehmens in Kreuzberg

Patrick Llewellyn, CEO von 99designs, und Eva Missling, die Europa-Chefin des Unternehmens Foto: ©Jürgen Stüber

Patrick Llewellyn weiß das. Der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens 99designs aus San Francisco hat sich auf genau diese Marktlücke spezialisiert. Kunden stellen ihr Grafikprojekt auf die Plattform. Grafiker bewerben sich mit Entwürfen, von denen der Kunde den besten auswählt. Bezahlt wird schließlich über Llewellyns Unternehmen – zu Festpreisen. Ein Logo kostet momentan 239 Euro. Llewellyn versteht seine Plattform als „Marktplatz für Designer“.

Ausgestattet mit 35 Millionen Dollar (27 Millionen Euro) des Risikokapitalgebers Accel wuchs 99designs seit 2011 zu einem florierenden Unternehmen heran, wie man aus den Zahlen liest, die Llewellyn präsentiert. 210.000 Designer weltweit arbeiten für ihn. Sie haben seit der Gründung seines Unternehmens im Jahr 2008 bereits 200.000 Grafikaufträge erledigt – vor allem für Internet-Unternehmen. „Im vergangenen Monat erzielten wir weltweit einen Umsatz von 1,3 Millionen Euro“, sagt Llewellyn und lehnt sich zufrieden zurück. Jeden Monat werden auf der Plattform 6000 „Contest“ genannte Grafikprojekte abgewickelt.

Jetzt nimmt das Unternehmen Europa ins Visier. Berlin ist dafür sein Stützpunkt – nach Deutschland und Frankreich sind nun die Märkte in Italien und Spanien an der Reihe. Von Spanien aus wird dann das Lateinamerika-Geschäft ausgebaut. Auch für die Expansion nach Skandinavien ist Berlin ein günstiger Standort.

Virale Effekte des Internet machten sein Unternehmen bekannt. Er habe zwischen 2008 und 2011 keinen Cent für Werbung ausgegeben, sagt der Gründer. Allein durch Mundpropaganda (im Branchen-Jargon: „Word of Mouth“) habe sich das Angebot herumgesprochen. „Die Community bildete sich quasi aus sich selbst heraus“, sagt er.

Um aufwändige Prozesse für professionelle Agenturen gering zu halten, wie Freelancer anzufragen, Briefings zu verschicken und Designs abzustimmen, bietet 99designs inzwischen den Service „Pro Tools“ an. Mit ihm können Agenturen professioneller das Design-Crowdsourcing nutzen. Diese neuen „Invite-Only“-Wettbewerbe ermöglichen es, für eine Ausschreibung einen Pool an Designern zusammen zu stellen, mit denen man zusammen arbeiten will. Freelancer, die keine Einladung erhalten, können nicht teilnehmen. „13 Prozent unserer Kunden sind Marketing-, Webdesign- und PR-Agenturen“, erläutert Europa-Managerin Eva Missling die Einführung des „Pro Tools“.

Design-Crowdsourcing ist ein boomender Markt, auf dem sich in Berlin gleich mehrere Unternehmen tummeln. Neben 12designer, die im August vergangenen Jahres von 99designs für eine nicht genannte Summe geschluckt wurden, ist seit 2007 das Unternehmen Jovoto des Gründers Bastian Unterberg in dieser Branche aktiv. Jovoto ist allerdings stärker auf globale Marken und Nichtregierungsorganisationen ausgerichtet.

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