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Die Welt der Berliner Start-ups

Wie Jovoto den Crowdstorm entfacht

3. März 2013 · Keine Kommentare · Allgemein

Gute Ideen sind vielleicht die flüchtigste Konstante der Kreativwirtschaft – und gleichzeitig ihre Basis. Wie also macht man die Idee dingfest, ordert den guten Einfall, der das eigene Produkt neu dastehen lässt? Nicht der Einfall des einzelnen, sondern die kreative Kraft der vielen ist die Lösung. Das ist das Geschäftsmodell von Jovoto, einem Marktplatz für kreative Ideen, der bei globalen Marken mittlerweile großes Ansehen genießt.

Bastian Unterberg gründete Jovoto im Jahr 2007 und ging mit der Plattform nach einer einjährigen Entwicklungsphase an den Markt. Sein Konzept: Die Crowd löst kreative Design-Aufgaben für Marken.  „Wir sind damals weit vor unserer Zeit gestartet“, erinnert sich der Gründer an die frühen Jahre seiner Crowdsourcing-Plattform. „Ich kam mir vor wie ein Prediger.“ Der Begriff des Crowdsourcing war damals noch jung und nicht sehr populär. Der Journalist Jeff Howe hatte ihn in einem Beitrag des „Wired“ Magazins im Jahr 2006 geprägt.

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Crowdstorm: Cover der Neuerscheinung von Jovoto-Gründer Bastian Unterberg

Entsprechend lange ließ der wirtschaftliche Erfolg auf sich warten. Vor ungefähr zwei Jahren sei das gewesen, sagt Unterberg. Das Start-up konnte zunehmend Referenzen vorweisen: Coca Cola, Starbucks, die Telekom. Inzwischen hat Jovoto mehr als 200 Projekte abgeschlossen, an denen insgesamt 100.000 kreative Köpfe mitgewirkt haben.

„Wir haben sehr viel Erfahrungen gemacht“, sagt Unterberg. Das Hauptproblem war und ist, die Community zu steuern, die sich mitunter wie ein Flohzirkus verhält. Viele kreative Köpfe steuern Ideen bei, kommentieren und bewerten die Statements der anderen. Doch daraus entsteht noch lange kein marktreifes Konzept. Denn man kann eine noch so gute Idee nicht einfach in den Raum rufen.

Weil die Relevanz einer Idee oder eines Kommentars eine Frage der Reputation innerhalb des Netzwerks ist, teilt Jovoto seine Nutzer in drei Kategorien ein: An öffentlichen Wettbewerben können alle teilnehmen. Zugang zu privaten Wettbewerben erhalten nur eingeladene Mitglieder. Die besten aus dieser Gruppe haben die Möglichkeit, den Gral des Jovoto-Netzwerks zu erreichen, in dem mit Honorar kollaborativ an fortgeschrittenen Projekten gearbeitet wird.

Welche dieser drei Stufen ein Nutzer erreicht, hängt von seinen eigenen Aktivitäten im Netzwerk ab, die in Karma-Punkten gemessen wird. Diese Punkte gibt es für eigene Ideen, aber auch für das Kommentieren und Bewerten der Ideen anderer.

Wie Jovoto funktioniert, zeigt das Beispiel Starbucks: Die Kaffeehauskette war unzufrieden damit, dass jährlich 58 Milliarden Becher nach einmaliger Verwendung weggeworfen werden. Die Gefäße aus Plastik und Papier sind schwer zu verwerten, und teuer ist diese Verschwendung allemal. Starbucks gab Jovoto den Auftrag, das Problem zu lösen und lobte 20.000 US-Dollar (15.000 Euro) Preisgeld aus.

Das Projekt Karma Cup hat den Contest gewonnen. Die Idee: Jeder zehnte Kunde, der mit einem wiederverwertbaren Becher in den Laden kommt, kriegt seinen Kaffee umsonst. Weitere Preise erhielten die Erfinder eines biologisch abbaubaren Bechers, der aus den Hüllen von Reiskörnern (Spelzen) hergestellt wird, sowie ein schwedisches Team, das einen zusammenklappbaren Becher erfand.

Jovoto versteht sich als Marktplatz für kreative Projekte, bei denen Crowdsourcing und Brainstorming zu einem Chrowdstorm werden. So heißt auch das neue Buch des Gründers Bastian Unterberg, in dem er zusammen mit dem Investor Shaun Abrahamson und Peter Ryder, dem früheren Leiter seiner New Yorker Niederlassung,  Erfahrungen aus fünf Jahren in seinem Start-up zusammenfasst und mit Angeboten von Mitbewerbern vergleicht (bei Amazon digital und auf Papier).

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