Logo: Gründerzeit

Die Welt der Berliner Start-ups

capsule.fm – Nachrichten als Audiostream

3. Februar 2013 · Keine Kommentare · Allgemein

Mit den Namen ist das so eine Sache. Da glaubte man, den Erfinder der Geolocation-Video-App „capsuling.me“ zu treffen. Und dann sitzen dem Reporter im Kreuzberger „Betahaus“ zwei Gründer gegenüber, die von einer Audio-Streaming-App namens „capsule.fm“ erzählen.

Szene-Kenner schmunzeln: Das sei sogar schon Investoren passiert. Ein schwacher Trost für den ob seiner Unachtsamkeit blamierten Journalisten, andererseits ein Lehrstück, wie wichtig Markennamen sind.

Doch was die Australierin Danielle Reid und der Norweger Espen Systad dann zeigen, ist so interessant, dass es hier nicht verschwiegen werden sollte. Ihre App hat mit künstlicher Intelligenz zu tun. Das Programm capsule.fm scannt die Nachrichtenfeeds eines Nutzers, wählt in Echtzeit die interessantesten aus und liest sie mit einer Computerstimme dem Anwender vor. „Wir machen dein Internet hörbar“, lautet die Botschaft.

Espen Systad, Danielle Reid, Co-Founder von Capsule.FM

Espen Systad, Danielle Reid, Co-Founder von Capsule.FM

Reid, Systad und der Programmierer Tor Langballe (ebenfalls aus Norwegen) arbeiten seit sieben Monaten an dem Projekt. Inzwischen haben sie einen Prototypen entwickelt und hoffen, in einigen Monaten eine erste App für Smartphones zeigen zu können. Kurznachrichten von Twitter, E-Mails und Sportergebnisse kann der Prototyp bereits wiedergeben. Wetterbericht, Facebook-Postings, Aktienkurse und die Schlagzeilen von Nachrichtenseiten sollen folgen.

Damit der Nutzer nur das erfährt, was ihn wirklich interessiert und nicht mit einem endlosen Schwall von Nachrichten überflutet wird, haben die Gründer eine Lernfunktion programmiert. Der Anwender kann mit einem Klick auf „Skip“ die Wiedergabe einer Mitteilung stoppen. Die App merkt sich das und passt die Auswahl der künftigen Web-Schnipsel dem Geschmack des Nutzers an.

Ein interaktives Element soll es bei capsule.fm auch geben: Nutzer können ihre Audio-Botschaften mit anderen teilen. in den Facebook-Postings oder auf Twitter teilen.

Eine praktische Sache für den mobilen Internetnutzer: Sei es in der U-Bahn oder im Auto – oft hat man keine Gelegenheit, einen Nachrichtenfeed zu lesen. In solchen Situationen hält CapsuleFM den Nutzer mit den interessantesten Nachrichten auf dem Laufenden und vertreibt Langeweile.

Premium-Inhalte bietet Capsule.FM gegen Aufpreis

Ein Geschäftsmodell haben sich Reid, Systad und Langballe auch schon ausgedacht. Die Basisversion der App soll kostenfrei sein. Premium-Inhalte und die Personalisierung des Feeds soll es nur gegen Gebühr geben.

Systad und Langballe hatten die Idee während eines Arbeitstreffens in Vietnam entwickelt. In einem Neuköllner Gemeinschaftsbüro traf Systad Danielle Reid. Für ihre Idee haben sie Auszeichnungen eingeheimst: Sie gehörten 2012 zu den Siegern beim Wettbewerb „hy! Berlin“ und gewannen bei der Noah-Konferenz in London ein siebenstelliges Werbe-Budget. Gefördert wird das Start-up von „hub:raum“, dem Accelerator der Telekom, und dem europäischen „Startupbootcamp“.

Mehr als 1000 Interessenten haben sich bereits registriert, um die App als erste nutzen zu können (http://signup.capsule.fm/). Bis es soweit ist, müssen Espen Systad und seine Kollegen noch die eine oder andere Zeile Code schreiben.

Tags: ·······

Keine Kommentare ↓

Kommentare sind leider deaktiviert.