Logo: Gründerzeit

Die Welt der Berliner Start-ups

Foto-App EyeEm rockt Download-Charts

27. Januar 2013 · Keine Kommentare · Allgemein

Von Mitte in die Weltrangliste: Die Berliner Foto-App EyeEm hat in den ersten vier Wochen dieses Jahres einen fulminanten Aufstieg erlebt. Die 15-Mitarbeiter-Firma aus der Brunnenstraße deklassierte Instagram, eine Firma, die das soziale Netzwerk Facebook  im April 2012 für mehr als eine Milliarde US-Dollar gekauft hatte. Die EyeEm-App überholte Mitte Januar Instagram in den iTunes-Charts und stand für kurze Zeit nach YouTube im App Store auf Platz zwei.

Wie konnte sich Instagram in dieser Weise vorführen und demütigen lassen. Der Eklat war selbst verschuldet. In gewohnt rücksichtsloser Facebook-Manier hatte das Unternehmen seinen Nutzern im Dezember neue Richtlinien aufgezwungen und sich die Rechte an allen geposteten Fotos gesichert.  Ein Sturm der Entrüstung bei den Instagram-Knipsern brach los.

Das Start-up EyeEm, dessen Downloadkurve schon seit Monaten nach oben wies, profitierte von dieser Panne. Mit einer Erklärung, die an alle Nutzer gemailt und im Unternehmensblog veröffentlicht wurde, ging EyeEm in die Offensive: „Deine Fotos werden immer Dir gehören. Und niemals wird ohne Deine Zustimmung etwas mit ihnen geschehen.“ Damit eroberte EyeEm die Herzen seiner Nutzer.

Gründer Florian Meissner (stehend) im EyeEm-HQ

Gründer Florian Meissner (stehend) im EyeEm-HQ

Die Unzufriedenheit der Instagram-Nutzer schlug bei Eyeem in einem gewaltigen  Plus an App-Downloads zu Buche. Überprüfbare Angaben dazu gibt es nicht. Da der ansonsten recht kommunikative EyeEm-Gründer Florian Meissner bei der Frage nach aktuellen Zahlen wortkarg wird, bleibt viel Raum für Spekulationen. Das Blog Gründerszene geht momentan von 100.000 Downloads pro Tag aus. Ob Instagram dadurch Schaden nahm, ist in der Szene umstritten.

Inzwischen scheint es, als hätten sich die Wogen auf hohem Niveau wieder geglättet. Fest steht, dass das Berliner Start-up in die globale Liga der Foto-Apps aufgestiegen ist. Am Sonnabend lag Instagram in den deutschen Apple-Charts der Foto- und Video-Apps auf Platz sechs, Eyeem auf 14. Ähnlich war die Lage in den USA: Der Website appannie.com zufolge hatte Instagram dort Rang vier, EyeEm Rang 15 inne. Am Soinntag fiel EyeEm allerdings auf Platz 20 zurück.

Virale Effekte sind es wohl gewesen, die Eyeem den Mitte-Januar-Hype bescherten. Ausgelöst von der Instagram-Datenschutz-Debatte wurde das Thema in US-amerikanischen Highschools akut. Die Teenager fürchteten um ihre Fotos auf der Datenbank von Instagram, taten das lautstark  in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook kund, suchten eine Alternative und lösten damit den Massenansturm auf EyeEm aus. Diese Version der Erfolgsstory wird jedenfalls im Umfeld des Start-ups kolportiert.

Für EyeEm hatte der Nutzeransturm nicht nur diese gute Seite. Die Server hielten der unerwarteten Last nicht stand. Am dritten Januar-Wochenende hatten Meissners Administratoren alle Hände voll zu tun, um ausreichend Serverkapazitäten zu beschaffen und die Performance der App aufrecht zu erhalten. Das war nach einigen Tagen gelungen und das Team entschuldigte sich bei seiner Kundschaft für Ausfälle.

Die Unzufriedenheit der Nutzer mit der Facebookisierung von Instagram rief inzwischen Programmierer auf den Plan, die eine Web-App bauten, mit der sich Bilder von Instagram zu Eyeem importieren lassen.

Schon plant das Berliner Start-up Neues. Auf der Plattform war am Sonnabend ein mit „Sneak Preview“ (inoffizielle Premiere) unterschriebenes Bild von Gründer Florian Meissner zu sehen. Auf dem Firmenblog hieß es, die App solle in Kürze in mehreren europäischen Sprachen sowie in Japanisch erscheinen. Ferner soll es möglich werden, Stalker und Spammer zu blockieren. Auch neue Verfremdungsfilter für Fotos und Bildrahmen wurden angekündigt.

 

Tags: ···

Keine Kommentare ↓

Kommentare sind leider deaktiviert.