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Second Screen: App wywy bietet Geld für Check-in

30. November 2012 · Keine Kommentare · Allgemein

Jeder fünfte Fernsehzuschauer nutzt TV und Internet gleichzeitig: Damit hat der zweite Bildschirm längst die Wohnzimmer erobert. Mit einer neuen App wird das Check-in beim Fernsehen nun bares Geld wert.

Zahlreiche Apps für Smartphones und Tablets bedienen das Bedürfnis der Fernsehzuschauer, sich während der Sendung mit anderen auszutauschen, zu kommentieren, zu chatten und Programminformationen im Web abzurufen.

Die neue iPhone-App „wywy“ gibt dem zweiten Bildschirm (Second Screen) eine neue Dimension. Denn sie erkennt automatisch, welchen Sender man gerade sieht. Damit lässt sich Werbung mit minimalem Streuverlust direkt vom Sender an den Zuschauer senden.

Screenshot der wywy-App: Wer chattet und eincheckt, kan Gutscheine gewinnen

Wywy nutzt die Automatische Content-Erkennung (ACR), eine in Israel entwickelte und von dem Münchner Startup eingekaufte Technologie. Die Smartphone-App zeichnet ein Tonschnipsel des laufenden Programms auf und sendet es via Internet an den Server des Startup. Dort wird dieses Snippet mit allen aktuellen Programmen verglichen. „Wir können damit verifizieren, was der Nutzer schaut“, sagt Tobias Schmidt, Geschäftsführer des Startup.

Die in Deutschland bislang einzigartige Technik erlaubt es, Zuschauer und Sender sekundengenau und ohne die beim Fernsehen übliche Latenzzeit miteinander zu synchronisieren. Erkannt werden zurzeit 50 europäische Sender sowie testweise 20 in den USA.

Der Kurznachrichtendienst Twitter verhalf dem Second Screen zum Durchbruch. Dort geben Nutzer Statements zu Sendungen ab. „Tatort“-Tweets sind bis heute  Kult. „Doch nicht jeder will mit der ganzen Welt reden“, findet Schmidt. Deshalb bietet wywy auch einen eigenen Chatraum, der den direkten Dialog zulässt. Wer mag, kann seine Statements mit der App auch über Twitter und Facebook senden.

Überhaupt soll wywy mehr Spaß machen als Twitter. Aus diesem Grund wurden Gamification-Elemente eingebaut: Trophäen, die der Nutzer wie bei Foursquare gewinnen kann, und Einkaufsgutscheine bei Douglas, Zalando und Amazon, mit denen häufige Check-ins belohnt werden.

Die App bietet mehr als Chat und Check-in („nettes Feature“, so Schmidt). Die sekundengenaue Synchronisierung von Programm und Zuschauer erlaubt es, mit ihm in Echtzeit zu kommunizieren.

Damit könnte die Plattform ein neuer PR-Kanal werden. Mit ein paar Klicks erhält der Zuschauer Werbung für das Automodell des Kommissars, das Getränk des Hauptdarstellers, die Modemarke der Ansagerin: Product Placement der neuen Art. Das sei alles keine ferne Zukunftsmusik mehr, sagt der Gründer.

Fernsehen war schon immer ein kommunikatives Medien: auf dem Schulhof, im Büro – und auf der Wohnzimmercouch. Doch wenn die immer leerer wird, bleibt nur die App. Das könnte ein weiterer Grund für den Erfolg von Second-Screen-Apps sein.

Für Fernsehsender ist der neue Trend Second Screen ein Thema.  ARD und ZDF haben die Zuschauer in ihrer Onlinestudie 2012 auch dazu befragt. Darin gaben 20 Prozent an, dass sie häufig, weitere 17 Prozent dass sie zumindest gelegentlich parallel fernsehen und surfen.

12 Prozent sagten, dass sie während des Fernsehens im Internet etwas zum Thema der Sendung nachlesen. 6 Prozent unterhalten sich mit ihrer Online-Community über die Sendung. 3 Prozent kommentieren häufig oder gelegentlich etwas zum Programm auf der Internetseite des Senders.

Hochgerechnet seien es in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen, die sich im Internet mit einer laufenden Fernsehsendung beschäftigen, schätzt die ARD-Studie.

Die Download-Zahlen der im Oktober gestarteten wywy-App bewegen sich laut Schmidt im fünfstelligen Bereich. Bis Jahresende will Tobias Schmidt die 100.000er-Marke knacken. „Wir glauben, dass die Nutzung des Second Screen keine Mode ist, sondern ein neues Konsumentenverhalten“, zeigt er sich zuversichtlich.

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