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Die Welt der Berliner Start-ups

Die Outdoor-Alternative zu Google Maps

20. Juli 2012 · Keine Kommentare · Allgemein, Internet

David gegen Goliath: Ein Berliner Start-up nimmt es mit dem Suchmaschinen-Riesen Google auf und bietet im Internet eine kostenfreie Weltkarte an, die von 670.000 Web-Aktivisten geschrieben wurde: Eine Art Wikipedia der Karten.

Der Wanderer kennt das: Er steht im Wald, weiß nicht wohin, zückt das iPhone, klickt auf Google Maps und sieht nichts außer einer grünen Fläche und einem blauen Punkt. Abseits der Straßen versagt das Kartenmaterial vieler kommerzieller Navi- und Kartenanbieter. An Rad- und Wanderwegen gibt es keine werbeträchtigen „Points of Interest!“. Deshalb ist – abgesehen von Spezialisten wie Garmin – das Interesse, abseitige Pfade aufwändig zu kartieren,  eher gering.

Anders bei OpenStreetMap (OSM): Hinter dieser Weltkarte steht eine Gemeinschaft von mehr als 670.000 aktiven Mitgliedern . Ihre Passion  ist es, eine Weltkarte zu aktualisieren und zu verfeinern. Sie haben in den vergangenen Jahren 1,5 Milliarden kartografische Knotenpunkte und 142 Millionen Wege in das globale Kartenwerk eingetragen.

Ihre Zahl wächst rasant und damit die Menge sowie die Qualität der durch Crowdsourcing erhobenen Daten. Eine Studie des Heidelberger Geografieprofessors Alexander Zipf zeigt eindrucksvoll, dass die durch Schwarm-Intelligenz entstandenen Karten für den Outdoor-Bereich längst detaillierter als die kommerziellen sind.

Der Berliner Zoo auf einer OpenStreetMap-Karte: Sie zeigt mehr Details als Karten anderer Anbieter http://bit.ly/SJgqrR

OpenStreetMap ist ein Beispiel für funktionierendes Crowdsourcing. Durch die zahllosen Beiträge einer großen Masse an Aktivisten entstand vergleichbar mit der Wikipedia-Enzyklopädie ein Kartenwerk, das seinesgleichen sucht. Es ist nicht fehlerfrei, aber weitgehend zuverlässig.

Ähnlich wie bei Wikipedia funktioniert auch die Autokorrektur. Hat sich ein Fehler in das Kartenwerk eingeschlichen, so wird er schnell von einem der vielen Sachkundigen ausgemerzt, der die Karte kritisch überprüft.

Das globale Netzwerk der Hobbykartographen ist ähnlich konzipiert wie bei Wikipedia. Sie treffen sich in Zirkeln und pflegen Informationen in das Dokument ein: Das können amtliche Karten sein oder Tracking-Protokolle der GPS-Geräte, die sie bei Wanderungen oder Mountainbike-Touren mit sich geführt haben.

Die Karte ist mittlerweile so präzise, dass sie für ein Navigationssystem im Auto taugt. Die iPhone-App „GPS Navigation“ basiert auf diesem Datenmaterial und steht seit Monaten in den Top Ten der meistgekauften Programme des deutschen Tunes-Store. 1,59 Euro kostet die App.

Die Komplexität ihrer Funktionen kann es zwar nicht mit den Produkten kommerzieller Anbieter wie TomTom und Navigon aufnehmen, die ein Vielfaches kosten, doch sie erfüllt ihren Zweck und leitet sicher von A nach B. Sie kennt zudem Points of Interests (POI), die in zwölf Kategorien wie zum Beispiel Tankstellen, Restaurants und U-Bahnhöfe eingeteilt sind, und navigiert zu diesen Orten.

Der Preisunterschied erklärt sich vor allem daraus, dass das Karten-Rohmaterial offen und für jedermann kostenfrei nutzbar im Internet vorliegt. Anders als bei komerziellen Kartenunternehmen wie Google, Navtec und Teleatlas muss es nicht mit hohem Aufwand beschafft werden.

Das Berliner Start-up Skobbler, der Entwickler dieser App, präsentiert nun auch eine Browseransicht dieses Kartenmaterials. Mit der ersten Version von Skobbler Maps ist eine kostenlose Alternative zu Google Maps auf Basis der OpenStreetMap verfügbar. Der Nutzer kann zwischen drei OSM-Ansichten (darunter ein Radwege-Layer) und einem von Skobbler entwickelten Design wählen.

Der wesentliche Unterschied zu Google Maps: Der Detailreichtum dieser  Karte bietet insbesonder Fußgängern, Radfahrern und anderen Outdooraktiven einen großen Vorteil. Nachteil: Sie bietet ausschließlich POI- und Adress-Suche.

„Diese erste Version ist erst der Anfang. Wir werden skobbler Maps kontinuierlich weiterentwickeln und die Leistungsfähigkeit erhöhen. Die zu Grunde liegende GeOS-Technologie werden wir dabei auch Dritten zur Verfügung stellen“, sagt Philipp Kandal, Skobbler-Mitgründer und als CTO verantwortlich für Produkte und Entwicklung, in einer Mitteilung.

Wie das dann aussehen könnte, zeigt die App Maps 3D eines anderen Entwicklers aus dem iTunes-Store: Hier wurde das OSM-Kartenmaterial über einen 3D-Scan der Erdoberfläche gelegt, der von der US-Raumfahrtbehörde Nasa stammt. Sie ermöglicht nicht nur die Navigation mit dem kostenfreien Kartenmaterial. Mit ihr können Wanderer, Reiter und Mountainbiker auch ihre eigenen Touren aufzeichen.

OSM wird immer populärer und damit auch zum ernstzunehmenden Konkurrenten kommerzieller Kartenanbieter. So musste Google die Preise für die gewerbliche Nutzung seiner Karten unlängst drastisch senken.

 

 

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