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Die Welt der Berliner Start-ups

Path, das neue Anti-Facebook

1. Dezember 2011 · Keine Kommentare · Allgemein

Die Fotosharing-App „Path“ hat sich neu erfunden. Sie ist ein Anti-Facebook: übersichtlich und vor allem privat. Ein persönliches Netzwerk. Ein interaktives, vertrauenswürdiges Tagebuch.

Die Plattform ist sozialer geworden. Und die Benutzeroberfläche sieht ansprechender aus als vor einem Jahr, als die erste Version erschien. In diesen Tagen hat das Team um Dave Morin die Version 2.0 der Android- und iPhone-App veröffentlicht.

Der Startbildschirm von Path.com

Doch wozu „Path“? Es gibt doch schon Instagram und Picplz. Hier wie dort stehen ein paar optische Verfremdungsfilter zur Verfügung, die technisch hochwertige Fotos schlechter aussehen lassen (sowohl Gratis- als auch Kauf-Filter). Doch „Path“ ist mehr: Die Plattform ist Foto-App, Geolocation-App und Kurznachrichtendienst in einem, ein Mash-up aus Hipstamatic, Gowalla und Twitter.

Und einfach sollte alles sein, wie der Gründer in einem Video-Interview erläutert. Man habe lange dran gearbeitet, alle Funktionen übersichtlich auf dem Startbildschirm anzuordnen.

Wer dort den Button mit dem roten Pluszeichen drückt, um ein Posting zu verfassen, erhält ein Auswahlmenü mit sechs Icons: Außer einem Foto oder Video kann er ein Check-in posten, eine Antwort auf die Fragen „Was denkst Du?“ und „Wer ist bei Dir?“. Im letztgenannten Fall wird einer oder mehrere Namen aus den Kontakten oder dem verlinkten Facebook-Profil ausgewählt.

Auch Musik lässt sich mit „Path“ teilen.  Zur Auswahl stehen alle 30-Sekunden-Trailer, die iTunes anbietet. Wer einen Trailer anhört, sieht sofort die Kauf-Option – bei iTunes natürlich.

Die sechste Option lautet „Gehe schlafen“ beziehungsweise „Bin wach“ – die An- beziehungsweise Abmeldefunktion für die verbundenen Freunde. Für Gründer Dave Morin ist diese Option die zeitgemäße Übersetzung der Begriffe „Online“ und „Offline“. Online sind wir immer und überall. Offline nur dann, wenn wir schlafen (oder durch Brandenburg fahren).

Beiträge in der Timeline können kommentiert werden – mit Text oder einem von fünf Emoticons. Diese variieren von einem Herzchen bis zu „L“ – eine erfreuliche Vielfalt verglichen mit dem eindimensionalen „Like it“ auf Facebook.

„Path“ will kein Massenkommunikations-Tool sein wie Facebook G+ oder Twitter. Im Gegenteil. „Die Standardeinstellung heißt Privat“, sagt Morin in einem Interview. Er weiß, wovon er redet. Denn zuvor war er einer der wichtigsten Entwickler bei Facebook (Connect und Platform).

Die Plattform ist für den engeren Freundeskreis bestimmt und nicht für die Digitalbekanntschaften, die man in Netzwerkprofilen ansammelt. Maximal 150 Freunde lassen sich mit einem Nutzerprofil vernetzen.

Hier hat Morin nachgebessert. Die erste und vor einem Jahr erschienene Version seiner Plattform erlaubte nur 50 Freunde. Das war zu wenig und mag ein Grund für den Misserfolg der App gewesen sein.

Diese Einschränkung schafft eine gewisse Intimität und senkt die Hemmschwelle, persönliche Bilder zu veröffentlichen, die einem selbst so trivial erscheinen, dass man sie seinem Hipster-Auditorium auf G+ lieber vorenthalten möchte. Allerdings besteht die Möglichkeit zum Crossposting auf Facebook, Foursquare und Twitter.

Hat „Path“ eine Chance? Oder wird sie Plattform genauso schnell von der Bildfläche verschwinden wie das am Anfang gehype „Amen“? Zwei Monate nach dem Start spricht kein Mensch mehr von dieser so genannten Killer-App? „Die Menschen teilen gerne“, sagt Morin. „Und wir haben das sehr einfach gemacht.

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