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Wein-Guru Vaynerchuk hört nach 1000 Videos auf

24. August 2011 · Keine Kommentare · Allgemein

Nach mehr als 1000 Video-Episoden in fünfeinhalb Jahren hört Online-Weintester Gary Vaynerchuk auf. Die Web-Legende verabschiedete sich jetzt in einem letzten Clip seiner kürzlich in „Daily Grape“ umbenannten Degustations-Show.

Vaynerchuk begann im Jahr 2006 mit seinem nahezu täglichen Videopodcast „Wine Library TV“. Facebook war damals eine kleine Klitsche, die nur unter amerikanischen Studenten bekannt war. Twitter wurde gerade gegründet.

Er wollte stets anders sein als Autoritäten der Verkostungsindustrie wie Hugh Johnson und Robert Parker. Er stellte sich gegen den Mainstream. Die von ihm präsentierten Weine sollen erschwinglich sein: Die Preise seiner Top-20-Liste bewegt sich zwischen acht und 50 US-Dollar (umgerechnet 5,50 – 35 Euro). Bei ihm kamen seltene Trauben auf den Tisch. Er stellte kleine Güter vor und unbekannte Reben. Große Namen und exklusive Lagen zählen bei ihm nicht. Vaynerchuk ist der Punk unter den Meinungsführern der Weinwirtschaft.

Vaynerchuks Botschaft lautete von Anfang an: Leute, hört nicht auf das, was andere sagen. Verlasst euch auf euren eigenen Gaumen. Wenn euch ein Wein schmeckt, dann ist er eine gute Wahl. Damit betrat er Neuland. Der Immigrant aus Weißrussland hatte die Spirituosenhandlung der Eltern in New Jersey übernommen und zur „Wine Library“ umgebaut.

Vay-ner-chuk, wie er seinen Namen in den Videos ausspricht, ist das Musterbeispiel eines erfolgreichen Internet-Unternehmers. 80.000 Zuschauer sehen jeden Tag seine Verkostungen. Er nutzte den Boom von Social Media strategisch klug aus. Und – wie er selbst schreibt – kommt bei ihm nichts ins Regal, was er nicht selbst getestet hat.

Wie das vonstatten geht, zeigt er in jeder Episode seiner „Thundershow“. Der Fan des Football-Clubs „NY Jets“ aus New Jersey sitzt an einem Tisch zwischen Devotionalien seines Vereins, kommentiert dessen Erfolge und Misserfolge. Vor ihm steht eine Flasche, aus der er Wein so hastig ein Glas kippt, dass es spritzt, dieses wild schwenkt, daran riecht, einen Schluck nimmt, rollt, kaut, gurgelt und schließlich den Inhalt in einen zum Kübel umfunktionierten „Jets“-Helm spuckt. Dann schildert er sein Geschmackserlebnis, spricht über Reben, Winzer und „NY Jets“. Mit ähnlicher Geste nimmt er den nächsten Schluck. Er habe einen „obszönen und vulgären Humor“, heißt es in der Bewertung seiner iPhone-App.

Seine Dauerpräsenz im Internet machte seinen relativ kleinen Laden bekannt. Der Jahresumsatz sei von vier auf 45 Millionen US-Dollar gestiegen, heißt es auf seiner Website. Weintester @garyvee, wie er beim Kurznachrichtendienst Twitter heißt, bespielte unermüdlich alle Kanäle. Natürlich ist auch eine App dabei, ein interaktiver Degustations-Club und ein Online-Shop.

Der Internet-Entrepreneur schaffte es als „erster Wein-Guru der YouTube-Ära“ in die bekanntesten Fernseh-Talkshows und auf die Podien der wichtigsten Social-Media-Kongresse. Er wird überall auf der Welt gerne als Redner eingeladen.

Jetzt sei er fertig, sagt er in einem Abschiedsvideo über seinen Multimedia-Job. Er wolle sich anderen Projekten zuwenden. Seine Bilanz klingt wie seine Botschaft am Ende jedes Videos: „With you and a little bit of me, we’re changing the wine world.“ Die „Vayniacs“, wie seine Fans genannt werden, werden seine Degustationen vermissen.

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