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Die Welt der Berliner Start-ups

Grüne: Mit der Wahl-App in den Fettnapf

11. August 2011 · Keine Kommentare · Allgemein

Facebook- und Twitter-Profile von Politikern haben seit Jahren ihren Platz in Wahlkämpfen. Die Berliner Grünen sind jetzt einen Schritt weiter gegangen und haben sich beim Software-Unternehmen „wonderkind“ eine iPhone-App programmieren lassen, die Augmented Reality nutzt und Kernstück der Wahl-Kampagne „Mitmachstadt“ ist. Kaum war das Programm im App Store erhältlich, traten die Wahlkampfmanager der Partei in den ersten PR-Fettnapf.

„Augmented Reality“ steht für „erweiterte Realität“. Über das Bild der Handykamera legt sich eine von Geodaten gesteuerte Nachrichtenebene. Sie liefert Informationen über das Objekt, das auf dem Bildschirm zu sehen ist. Viele Apps nutzen diese Technik. Sie zeigen Wikipedia-Einträge zu Sehenswürdigkeiten, Empfehlungen für Kneipen, die Lage freier Mietwohnungen oder Gebrauchtwagen an. Und nun auch politische Missstände.

Das klingt zunächst gut. Wer in der Stadt ein Ärgernis entdeckt, zückt das iPhone, tippt seine Meinung in der Bildschirm und sendet die Nachricht an die Plattform. Und wer sich nur einen Eindruck von Problemen in seiner Gegend verschaffen will, schaut durch die Kamera des Telefons und entdeckt dank Geolocation-Funktionalität allerorten grüne Sprechblasen, die andere Nutzer dort hinterlassen haben und die auf Missstände hinweisen.

Die Aktion büßte allerdings schon in der ersten Woche an Glaubwürdigkeit ein. Bürger Andreas Gebhard hatte auf einen gefährlichen Radweg hingewiesen. Wenig später erschienen an der Gefahrenstelle Spitzenkandidatin Künast samt Medientross und Bezirksstadtrat, der getreu dem Kampagnenmotto „Da müssen wir ran“ die Lösung des Problems versprach.

Dumm nur, dass Gebhard nicht nur Bürger, sondern auch Geschäftsführer der Web-Agentur Newthinking ist, die die Grünen im Wahlkampf berät und zu deren Umfeld der Verein Digitale Gesellschaft, das Blog netzpolitik.org und der Kongress re:publica zählen.  Das klingt nach nach Kungelei. Blogger Nico Lumma schimpfte über „Grünes Astroturfing“, was Gebhard zu einer Replik veranlasste, die hier nachzulesen ist.

Der Kritik der Blogosphäre zum Trotz (u.a. hier) steigt die Zahl der Einträge auf der Plattform täglich. Fast alle werden mit „Gefällt mir“-Klicks kommentiert – viele auch mit Antworten von Kandidaten. Ob die App am Ende politische Wirkung zeigt oder nur ein Gimmick für hippe Hauptstädter war, wird sich zeigen.

 

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