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Die Welt der Berliner Start-ups

Milliardengeschäfte mit Rabattgutscheinen

9. Mai 2011 · Keine Kommentare · Allgemein

Immer mehr Unternehmen locken Internet-Nutzer mit Rabattgutscheinen auf ihre Seiten. Jetzt drängen auch Google und Facebook auf den lukrativen Markt. Coupondienste wie Groupon, DailyDeal oder LivingSocial bekommen damit eine mächtige Konkurrenz. Im Web tobt der Kampf um die Schnäppchenjäger. Auch Check-in-Dienste wie Foursqaure wollen davon profitieren. Doch sie sind, wie eine neue Studie zeigt, noch längst kein Massenphänomen.

Coupondienste vermitteln im Internet Preisnachlässe für Konsumgüter oder Dienstleistungen. Die Deals kommen zustande, wenn sich mit Hilfe von Netzwerken eine bestimmte Zahl von Teilnehmern findet. Die Rabatte betragen oft 50 Prozent oder mehr. Trotz dieser Margen ein lukratives Geschäft für Marken: Sie profitieren davon, dass die Nutzer ihre persönlichen Deals in Netzwerken kommunizieren, sich dort verabreden und damit kostenfrei werben.

Diese Angebote  wachsen so rasant wie keine andere Internetbranche – schneller sogar als soziale Netzwerke: Das Internet-Blog „AllThingsD“ prognostizierte für Groupon einen Jahresumsatz von zwei Milliarden US-Dollar.

Google hatte im Dezember 2010 versucht, sich Marktanteile zu sichern und nicht dementierten Berichten zufolge sechs Milliarden US-Dollar für Groupon geboten. Doch die Gründer lehnten mit dem Hinweis ab, für einen Verkauf sei es zu früh.

Stattdessen entwickelte Google mit der eigenen Plattform „Offers“ einen Klon der schnell wachsenden Dienste. Die öffentliche Beta-Version geht in drei US-Metropolregionen an den Start: New York, San Francisco und Portland (US-Bundesstaat Oregon). Nutzer können sich bislang nur registrieren lassen. Angebote werden als E-Mails verschickt.

Facebook startet seine Coupon-Plattform „Deals on Facebook“ jetzt ebenfalls testweise in ausgewählten amerikanischen Städten: Atlanta, Austin, Dallas, San Diego und San Francisco (Preview bei allfacebook.com). Dieses Angebot legt einen Schwerpunkt auf „Social Deals“. Nutzer sollen gemeinsam etwas erleben – und darüber im Netzwerk berichten. So gab es beispielsweise zwei Konzertkarten mit Backstage-Pass und VIP-Dinner für 250 US-Dollar. Angeboten werden die Coupons in einer neuen Sektion der Facebook-Seite oder per E-Mail.

Mit „Deals on Facebook“ erweitert das soziale Netzwerk mit 600 Millionen Nutzern sein Ende Januar auch in Deutschland eingeführtes Rabattangebot auf Handys. Nutzer, die in ausgewählten Geschäften, Bars oder Kinos einchecken, erhalten Preisnachlässe. Damit war Facebook am Check-in-Pionier Foursquare vorbeigeprescht. Im März hatte Foursquare die neue Version seiner Plattform mit einer überarbeiteten „Offers“-Funktion veröffentlicht.

Check-in-Dienste im mobilen Web sind unterdessen noch weit davon entfernt, als Massenphänomene zu gelten. Nur eine Minderheit nutzt Facebook Places, Foursquare oder Gowalla. 17 Prozent aller Besucher des mobilen Internet wenden solche „Social Location Apps“ an, wie eine Studie des US-Marktforschungsunternehmens „Beyond“ ergab.

83 Prozent wollen dagegen von Check-ins nichts wissen. Datenschutzbedenken (48 Prozent) und fehlendes Interesse (49 Prozent) werden als Gründe genannt. Jeder zweite gab an, kein Smartphone zu besitzen, das für den Besuch dieser Seiten erforderlich ist.

Das Versprechen von Rabatten oder Gutscheinen ist der Hauptgrund für den Besuch der Seiten (54 Prozent). An zweiter und dritter Stelle stehen die Möglichkeiten, durch Check-ins Freunde zu treffen (33 Prozent) oder Neuigkeiten über Orte oder Ereignisse zu erfahren (32 Prozent).

Beim materiellen Nutzwert gibt es relativ geringe Unterschiede zwischen notorischen Eincheckern und Befragten, die lediglich Interesse an Diensten wie Foursquare bekundeten, diese aber nicht anwenden. Die sozialen Möglichkeiten hingegen bleiben Nichtnutzern weitgehend verschlossen (oder interessieren sie einfach nicht).

Fazit der „Beyond“-Studie: „Social Location Apps“ funktionieren nur dann, wenn sie für den Nutzer Relevanz besitzen ­­– sei es im materiellen (Rabatt) oder ideellen (Freunde treffen) Sinn. Die Jagd nach „Mayor“-Titeln bei Foursquare als Lohn für besonders häufige Check-ins mag in der Community einen gewissen Unterhaltungswert (21 Prozent) haben, für die Masse der mobilen Web-Nutzer ist dieses Spiel aber unbedeutend. Das gilt erst recht für zweckfreie Check-ins ohne sozialen Kontext.

Vieles deutet auf einen Lernprozess hin. Mehr als jeder zweite Nichtnutzer kann sich vorstellen, einmal bei Facebook einzuchecken. Und für 40 Prozent ist der kollektive Kauf von „Groupon“-Rabatt-Coupons denkbar. Dieses Unternehmen beherrscht auch 51 Prozent aller einschlägigen Diskussionen in Online-Foren vor Foursquare mit 29 Prozent. Für Marketingleute also kein Grund zur Verzweiflung.

In diesen Kontext passt eine Nachricht des Social-Media-Blogs mashable.com: Danach haben sich bereits 250.000 Geschäfte bei Foursquare eingeschrieben, um Rabatt- oder Geschenkaktionen als Gegenleistung für Check-ins anbieten und damit ihre Marke bewerben zu können.

 

 

 

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