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Die Welt der Berliner Start-ups

Das wirklich soziale Netzwerk

4. August 2010 · Keine Kommentare · Allgemein

Internet-Skeptiker Andrew Keen geißelte kürzlich bei der Next-Conference in Berlin Social Media als von Grund auf konkurrenzbetont, als „das unsozialste, das man sich vorstellen kann“. Was die Social-Media-Welt widerspiegele, sei ein „sich in zunehmendem Maße radikalisierender Individualismus“ (Link).

Die Antithese zu dieser Weltsicht könnte ein Projekt sein, das vergangene Woche in den USA landesweit an den Start ging: NeighborGoods.net. Es ist eine Plattform für Leute, die zum Beispiel einen Rasenmäher haben, aber ein Fahrrad brauchen. Hier handelt es sich um eine Leih- und Ausleihseite: Nutzer loggen sich mit ihrer Postleitzahl ein und können ihrer Nachbarschaft dann anbieten, was sie nicht brauchen Oder leihen, was ihnen fehlt. Die Seite ist kostenfrei. Eine Premium-Mitgliedschaft für Power-Leiher kostet knapp fünf Dollar.

Die Seite versteht sich als eine Weiterentwicklung der sogenannten Craigslist, kommunale Online-Netzwerke, in denen Bürger Kleinanzeigen aufgeben. Sie ist ein Angebot, das die Secondhand-Wirtschaft ankurbeln und die Haushaltsausgaben senken soll. US-Amerikaner geben 22 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) für Mietlager aus, in denen sie ihren angehäuften Haushalt selbst deponieren (ein Trend, der übrigens momentan auch nach Deutschland schwappt und laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ eine Wachstumsrate von 50 Prozent jährlich erzielt). Rechnerisch kommen auf jeden US-Bürger 0,65 Quadratmeter Lagerfläche.

Die Idee zur Gründung der Internetplattform kam Micki Krimmel vor einigen Jahren, als sie für eine Fernost-Reise einen 200 Dollar teuren Koffer kaufte. Ihr wurde klar, dass sie diesen Koffer so schnell nicht wieder brauchen würde. Also entschloss sie sich, einen Großteil ihres Haurats zum Verleihen anzubieten.

Vor einigen Monaten ging die Seite in Südkalifornien an den Start. Inzwischen bietet sie Güter im Wert von 750.000 Dollar an. Dieser Erfolg und das positive Medienecho ermutigten Krimmel, ihren Service landesweit zu launchen. „Wenn wir unseren Krimskrams teilen, kriegen wir mehr für unser Geld, wir vermeiden Müll und wir stärken unsere lokale Gemeinschaft“, sagt sie. Ein wirklich soziales Netzwerk.

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